Merkel: Für mich ist der Wahlkampf nicht langweilig

Merkel: Für mich ist der Wahlkampf nicht langweilig

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat das umstrittene Format des TV-Duells mit Herausforderer Martin Schulz (SPD) verteidigt. Es habe sich bewährt, "sich sehr stark auf den Dialog" zu konzentrieren, sagte Merkel am Dienstag auf ihrer Sommerpressekonferenz in Berlin. Deswegen sollte das beibehalten werden. Den Eindruck eines langweiligen Wahlkampfs wies sie zurück: "Für mich ist das spannend", sagte Merkel, die zum vierten Mal antritt.

Das enge Korsett des TV-Duells am Sonntag stieß bereits im Vorfeld auf Kritik. Nach Angaben der veranstaltenden Sender ARD, ZDF, RTL und Sat1 hatte sich Merkels Team gegen eine dramaturgische Neugestaltung gesperrt. Der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender warf Merkel vor, das TV-Duell am Sonntag durch massiven Druck zu einem reinen Kanzlerformat gemacht zu haben und sprach von "Erpressung".

Die Kanzlerin konterte kühl, ihre Freiheit, über eine Teilnahme zu entscheiden, sei "ja immer genauso wichtig wie die Freiheit der Presse". Im Vorfeld sei über die Modalitäten gesprochen wurden, und "da haben wir bestimmte Vorstellungen gehabt".

Die Sender wollten eigentlich "mehr Raum für Spontanität und Vertiefung" schaffen. Bei zwei Kandidaten, 90 Minuten Sendung und vier Fragern war der Ablauf vor vier Jahren als zu schematisch kritisiert worden.

Dass es nur ein Duell und nicht mehrere geben wird, findet Merkel angemessen. Die Bundestagswahl sei ja keine Personenwahl, sondern "es werden Parteien gewählt", sagte die CDU-Chefin zur Begründung.

Den Eindruck von Langeweile im Wahlkampf kann Merkel nach eigenen Angaben nicht teilen. Die Vorstellung "schön ist Wahlkampf nur, wenn man sich gegenseitig beschimpft", sei nicht die ihre. Sie wolle den Menschen erklären, was sie vorhabe. Und sie könne sich "nicht beklagen, dass niemand kommt zu meinen Darlegungen". "Deswegen haben wir, wie ich finde, einen sehr interessanten Wahlkampf".

Merkel verteidigte zudem ihre vergleichsweise günstige Nutzung von Flugzeugen und Hubschraubern der Regierungs-Flugbereitschaft im Wahlkampf. Die Kostenerstattung durch die CDU erfolge nach den geltenden Richtlinien, sagte die Kanzlerin. Sie wies darauf hin, dass sie als Regierungschefin "immer im Dienst" sei - das gelte auch für Urlaub und Wahlkampf.

Auch die Nebenjobs von Kanzleramtsmitarbeitern im Wahlkampf ihrer Partei findet Merkel in Ordnung. Mitarbeiter des Kanzleramtes müssten "außerhalb ihrer Arbeitszeit" auch Arbeit für Parteien machen können. Sie begrüße aber die eingeleitete Prüfung, die die SPD gefordert hatte.

Den Angriff von AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland auf die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), wies Merkel scharf zurück. "Diese Äußerung ist rassistisch und ist absolut zu verurteilen", sagte die Kanzlerin. Getroffen fühlten sich alle Mitglieder des Bundeskabinetts. Sie sprach von einem erkennbaren "Muster" derartiger Attacken durch die AfD. Sie zeigen "wes Geistes Kind die Autoren solcher Schmähungen sind ".