Spahn: Inzwischen mehr als halbe Million Menschen in Deutschland geimpft

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht Deutschland bei den Impfungen in der Corona-Krise ungeachtet der Kritik an der Impfstrategie auf einem guten Weg. Bislang seien bereits mehr als 500.000 Menschen in Deutschland geimpft worden, sagte Spahn am Samstag. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich zuversichtlich, dass das Tempo bei den Impfungen weiter zunehmen werde. Kritik äußerte unterdessen der Bundesverband der deutschen Hausärzte.

Mit dem Impfstart sei der "Weg raus aus der Pandemie" begonnen worden, sagte Spahn bei einer Diskussionsrunde unter anderem mit dem Präsidenten des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler. "Es werden jeden Tag mehr, die Prozesse laufen immer besser", fügte Spahn mit Blick auf die Zahl der Impfungen hinzu.

Zudem erklärte der Gesundheitsminister, dass eine erste Lieferung des zweiten in der EU zugelassenen Impfstoffes des US-Pharmakonzerns Moderna am Dienstag an die Bundesländer gehe. Auch beim möglichen dritten Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca sei laut EU-Arzneimittelbehörde EMA die europäische Zulassung "zeitnah" möglich, hob Spahn hervor. Zudem arbeiteten alle Beteiligten "mit Nachdruck" daran, dass der zusätzliche Biontech-Produktionsstandort in Marburg "im Februar ans Netz geht", erklärte Spahn im Kurzbotschaftendienst Twitter. Dabei laufe "alles nach Plan".

Bundeskanzlerin Merkel sagte am Samstag, dass die kommenden Wochen in der Corona-Krise "die wohl schwierigsten der Pandemie" seien. Sie zeigte sich jedoch überzeugt, dass sich "Besonnenheit in diesen schweren Januarwochen und Rücksicht aufeinander" auszahlen würden.

Hoffnung auf Besserung mache zudem der Impfstart, auch wenn dieser ein "langsamer Start" sei. "Das Tempo wird zunehmen", zeigte sich Merkel in ihrer Videobotschaft überzeugt. "Wichtig ist, dass wir sagen können: Wir werden in Deutschland genügend Impfstoff für alle verfügbar haben, wir werden Monat für Monat mehr Menschen und schließlich jedem, der das möchte, ein Impfangebot machen können - und ich hoffe, möglichst viele werden es dann auch annehmen."

Zugleich verwies Merkel auf die angespannte Lage angesichts des derzeitigen Infektionsgeschehens. "Ärzte und Pflegepersonal arbeiten in vielen Krankenhäusern am Rande der Überforderung", sagte sie. "Auch was wir über Mutationen des Virus hören, macht die Sorgen nicht geringer - im Gegenteil", sagte die Kanzlerin. Das Ziel sei deshalb, die Zahl der Neuinfektionen sehr deutlich zu senken, um die Gesundheitsämter wieder in die Lage zu versetzen, jede Neuinfektion nachzuverfolgen.

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte am Samstag, das mutierende Virus bereite ihm "echte Sorgen", und betonte, dass eine schnellere Verbreitung des Virus automatisch eine größere Belastung des Gesundheitssystems bedeute. "Erschüttert" zeigte sich Söder beim digitalen Neujahrsempfang der nordrhein-westfälischen CDU über die Zahl der Todesfälle. Jeder dieser Todesfälle sei "ein Schicksal", sagte er.

Nach Angaben des RKI vom Samstag wurden innerhalb von 24 Stunden 1083 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gezählt. Die Gesamtzahl der verzeichneten Corona-Toten in Deutschland wuchs damit auf 39.878.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und Bewerber um den CDU-Vorsitz, Armin Laschet, sagte, es müsse alles getan werden, dass der Impfstoff schnell verteilt werde. Europa, Bund, Land und Kommunen arbeiteten hierbei "eng" zusammen.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil bekräftigte unterdessen erneut seine Kritik an der Corona-Impfstrategie des Gesundheitsministers. "Es war von Anfang an klar, dass Impfen unser Ausweg aus der Pandemie ist und deswegen im Detail vorbereitet werden muss", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Das hat Spahn nicht getan."

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer warf dem Koalitionspartner SPD in der "Saarbrücker Zeitung" vor, inmitten in der Pandemie in den Wahlkampf-Modus umgeschaltet zu haben.

Kritisch äußerte sich indes auch der Bundesverband der deutschen Hausärzte. Die Regierung habe "viel zu spät und dann auch noch viel zu wenig Impfstoff bestellt", sagte der Bundesvorsitzende des Verbands, Ulrich Weigeldt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

jm/ck