Als Merkel 2007 vom Finanzkollaps erfuhr, reagierte sie mit einer merkwürdigen SMS

Alexander Hübner, Gernot Heller und Angelika Gruber
Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Jens Weidmann

Für

Jens Weidmann

begann die Finanzkrise Ende Juli auf einem privaten Grillfest. „Die IKB ist in Schwierigkeiten“, tippte der damalige Wirtschafts- und Finanzberater von

Angela Merkel

in eine SMS an seine Kanzlerin, die gerade in Salzburg auf den Beginn einer Opern-Aufführung wartete. Merkels Antwort, wie sie Jahre später selbst gestand: „Was ist die IKB?“

Der vermeintlich solide Mittelstandsfinanzierer war 2007 als erste Bank Deutschlands in eine Abwärtsspirale geraten. Er hatte sich mit riskanten Immobilienpapieren in den USA verzockt, hinter denen Kredite an Menschen steckten, die längst nicht mehr zahlen konnten. Nur ein Wochenende war Zeit, die IKB vor dem Aus zu retten. „Damit wurde klar, dass die Krise nun auch in Europa angekommen ist“, erinnert sich Weidmann, heute Präsident der Bundesbank, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Das Ausmaß der Krise ahnte kaum jemand. „Damals waren wir der Auffassung, dass es sich um einzelne Kreditinstitute in Schwierigkeiten handelt“, sagt Jörg Asmussen, der den Bundesfinanzministern Peer Steinbrück und

Wolfgang Schäuble

als Staatssekretär in der heißen Phase zur Seite stand. „Dass das eine Welle war, war damals noch nicht zu erkennen.“

13 Monate später brach mit der unerwarteten Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers ein Tsunami über die Finanzwelt herein, die das Wirtschaftssystem an den Rand des Untergangs brachte. Ausgehend vom Zusammenbruch des US-Hypothekenmarktes breitete sich die Krise in rasender Geschwindigkeit rund um den Globus aus. Die USA pumpten 250 Milliarden Dollar in ihre großen Banken. In Deutschland verschwanden die einst zweitgrößte Bank des Landes, die WestLB, und der größte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) von der Landkarte. „HRE und WestLB waren die schwierigsten Fälle“, erinnert sich Christopher Pleister, der als Chef des staatlichen Bankenrettungsfonds SoFFin von 2009 bis 2014 die Scherben zusammengekehrt hat. Der Fonds griff rund einem Dutzend Banken — von der Commerzbank bis zur Aareal Bank — mit zeitweise mehr als 200 Milliarden Euro Eigenkapital, Garantien und Schutzschirmen unter die Arme.

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