Merck KGaA mit Tech-Strategie: Bringt das weiteren Schub für die Aktie?

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Labor Biotech

Früher war die Merck KGaA (WKN: 659990) ein eher biederes Unternehmen, bekannt für Spezialchemie und rezeptfreie Arzneimittel. Durch eine Reihe von transformativen Akquisitionen und den Verkauf einiger Geschäftsbereiche hat sich Merck im Lauf des letzten Jahrzehnts in einen führenden Wissenschaftskonzern mit völlig neuem Außenauftritt verwandelt.

Die Aktie hat sich verdoppelt und nun will das Management die nächste Entwicklungsstufe erklimmen. Wissenschaft ist nicht genug, es muss auch Tech sein! Hat das Potenzial?

Ein 350 Jahre alter Tech-Konzern?

Für einen der Konzerne mit den ältesten Wurzeln weltweit klingt es zunächst etwas überraschend, dass er sich mit dem Tech-Attribut schmücken möchte. Andererseits hat zum Beispiel Siemens (WKN: 723610) bereits bewiesen, dass auch für Traditionskonzerne ein Wandel in diese Richtung möglich ist. Nicht nur Start-ups können Tech.

Außerdem besteht bei diesem Begriff eine Menge Interpretationsspielraum. Jeder kann seine eigene Tech-Variante erfinden, die zum Unternehmen passt. Was also hat Merck vor?

Offenbar hat das Management einen tiefen Blick in die Zukunft gewagt und daraus eine kühne Vision entwickelt:

Der Mensch werde künftig in der Lage sein, viel länger gesund und nachhaltiger zu leben. Dabei wird er um Größenordnungen mehr vernetzt sein. Die technische Erweiterung der Sinne und der geistig-körperlichen Fähigkeiten wird zudem die Norm sein.

Auf Innovationsfeldern wie Biotechnologie, Neurochips, Quantum Computing, künstlicher Intelligenz und Mensch-Maschine-Schnittstellen wird sich über die kommenden Jahre unheimlich viel tun, davon ist das Management überzeugt. Und die Merck KGaA sieht sich einzigartig positioniert, um diese Zukunft als Innovationspartner mitzugestalten.

Bleibt der Merck KGaA das Glück hold?

Die Basis für dieses neue Selbstbewusstsein liegt im Erfolg von drei großen Wachstumsbereichen (Big3 genannt):

  • Der Entwicklungspipeline in der Onkologie und Neurologie im Pharma-Segment

  • Biologika und zugehörige Services bei Life Science

  • Halbleitermaterialien im Electronics-Segment

Alle drei lassen sich zumindest teilweise auf milliardenschwere Übernahmen zurückführen, darunter Serono (10,3 Mrd. Euro), Sigma Aldrich (13,1 Mrd. Euro) und Versum (5,8 Mrd. Euro).

Die Akquisition von Sigma Aldrich fand ich 2015 strategisch ausgezeichnet, obwohl der Preis sehr hoch wirkte. In den ersten Jahren tat sich Merck allerdings schwer, den Zukauf des Laborausrüsters durch entsprechend steigende Gewinne zu rechtfertigen. Das änderte sich mit der Coronakrise, wo plötzlich ein gewaltiger Nachfragesog entstand.

Noch kritischer sah ich 2019 den scheinbar überaus teuren Zukauf von Versum, dessen geheimnisvolle Flüssigkeiten nicht gerade nach Hightech aussahen. Das wirkte eher wie Putzmittel. Doch genau diese Putzmittel finden nun reißenden Absatz angesichts des weltweiten Halbleiter-Booms, der im Laufe der Coronakrise immer mehr angefeuert wurde.

Merck erntet nun also – mit viel Können und vielleicht auch etwas Glück – die Früchte des langjährigen Umbaus und hofft, die jüngsten Erfolge in Zukunft sogar noch beschleunigt fortsetzen zu können.

Worauf Anleger bei der Merck KGaA und ihrer Aktie jetzt achten sollten

Diese mutige Wandlung zum Wissenschaftskonzern hat sich mit viel Geduld ausgezahlt. Die Merck KGaA ist heute stärker denn je aufgestellt und will noch mehr.

Ihre Tech-Strategie mit einem Fokus auf drei Wachstumsbereiche wird jedoch erneut Geduld erfordern. Die Merck-Aktie hat sich über die letzten zwei Jahre mehr als verdoppelt und wir befinden uns möglicherweise aktuell auf dem Höhepunkt der jüngsten Boom-Zyklen, die Merck so viel Aufschwung verliehen haben.

Allerdings habe ich mittlerweile viel Vertrauen darin, dass die prall mit Hightech gefüllte Merck KGaA auch von der nächsten Sondersituation profitieren kann. Schwächephasen könnten daher gute Einstiegschancen bieten.

Der Artikel Merck KGaA mit Tech-Strategie: Bringt das weiteren Schub für die Aktie? ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Siemens. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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