Mercedes vs. Ferrari: Entscheiden die Starts den Titelkampf 2018?

Mario Fritzsche
Lewis Hamilton sieht Startvorteil von 2017 im Vergleich zu Sebastian Vettel verschwunden - Valtteri Bottas erklärt aktuelle Mercedes-Problematik

Mit acht Punkten Vorsprung auf Titelverteidiger Lewis Hamilton (Mercedes) geht Sebastian Vettel (Ferrari) als WM-Spitzenreiter in sein Heimrennen im Formel-1-Kalender 2018: den Grand Prix von Deutschland am Sonntag auf dem Hockenheimring.

Realistisch betrachtet wird sich der Kampf um den WM-Titel 2018 zwischen den Speerspitzen der beiden Topteams Ferrari und Mercedes abspielen, denn Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo, der am Sonntag von ganz hinten starten muss, hat als aktueller Tabellenvierter bereits 65 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Vettel. Dessen Ferrari-Kollege Kimi Räikkönen hat nur zehn Punkte mehr als Ricciardo auf dem Konto, Hamiltons Mercedes-Kollege Valtteri Bottas gar zwei weniger als der Australier.

Über Sieg oder Niederlage entschieden im bisherigen Verlauf der Saison 2018 oft die Tagesform beziehungsweise Fehler. So büßte Vettel beispielsweise in Baku bei einem Verbremser jede Menge Punkte ein und ebnete damit den Weg für Hamiltons ersten Saisonsieg. Im Gegenzug war der Mercedes-Pilot in Montreal, wo Vettel seinen dritten Saisonsieg feierte, ungewöhnlich blass. Die einzige Nullnummer im Titelduell Hamilton vs. Vettel war bislang der technisch bedingte Ausfall des Mercedes-Stars beim Grand Prix von Österreich in Spielberg.

Angesichts der Tatsache, dass der Ferrari SF71H und der Mercedes F1 W09 auf vergleichbarem Level fahren, könnten nicht zuletzt die Starts entscheidenden Anteil daran haben, wie sich das Punkteblatt in den kommenden Wochen und Monaten darstellen und möglicherweise wenden wird. In den vergangenen Wochen hatte Ferrari auf diesem Gebiet die Oberhand gegenüber Mercedes.

"Im Hintergrund wird viel an den Starts gearbeitet", bemerkt Hamilton mit Blick auf die technische Weiterentwicklung in der Mercedes-Fabrik in Brackley und hält fest: "Ferrari hatte bei den vergangenen drei oder vier Rennen richtig gute Starts. Sie machen etwas anders. Ob man dahinterkommen wird oder nicht, bleibt abzuwarten."

Der viermalige und amtierende Weltmeister weiß, dass gegen die speziell seit Saisonbeginn 2017 stark auftretende Kombination Vettel/Ferrari nichts dem Zufall überlassen werden darf. "Es ist wichtig, so weiterzumachen wie bisher. Wann immer es einen Bereich gibt, der nicht perfekt funktioniert, wird sich ganz besonders auf diesen Bereich konzentriert. Das wäre bei der Radaufhängung nicht anders", sagt Hamilton und legt den Finger in die Wunde: "Ich glaube, meine besten Starts hatte ich im vergangenen Jahr. Mittlerweile liegen wir auf diesem Gebiet zurück, aber wir können uns verbessern und das werden wir."

Auch Bottas ist aufgefallen: "Grundsätzlich hatten wir in diesem Jahr wie schon im vergangenen Jahr gute Starts, aber es geht in diesem Jahr enger zu." Der Finne gibt zu, dass Mercedes zuletzt "ein paar Starts nicht gut gelungen" sind. "Diese Probleme haben wir versucht zu beheben. Das ist ein laufender Prozess, der viel Detailarbeit erfordert. Es ist nicht einfach, bei unterschiedlichen Streckenbedingungen und mit unterschiedlichen Reifen, Temperaturen und Gripverhältnissen konstant gute Starts hinzulegen."