"Menschlich schäbig!" Stögers Aus bringt Kölner Promis in Rage

Reinhard Franke

Nach viereinhalb überwiegend erfolgreichen Jahren ist die Zeit von Peter Stöger als Trainer beim 1. FC  Köln am Sonntag zu Ende gegangen.

Die Geißböcke verkündeten die Trennung vom österreichischen Trainer, der sich in der Domstadt einen Kultstatus erarbeitet hatte.

Die nackten Zahlen sprachen am Ende gegen ihn: Mit nur drei Punkten aus 14 Spielen stehen die Geißböcke seit Wochen abgeschlagen auf dem letzen Tabellenplatz. 

Stöger ist Geschichte in Köln. Entsprechend geschockt, enttäuscht oder einfach nur traurig zeigen sich viele Fans des FC, die sich trotz der mageren Ausbeute eine Fortsetzung mit Stöger gewünscht hätten.


Auch Prominente, die dem FC die Daumen drücken, sind mit der Entscheidung der FC-Oberen nicht einverstanden.

Bei SPORT1 äußern sich Peter Brings, Hella von Sinnen, Wolfgang Bosbach und Manuel Andrack zum Stöger-Aus.

Peter Brings (Kölner Musiker, neues Album "Liebe gewinnt"):

"Es ist eine totale Katastrophe, dass man diesen Mann in die Wüste schickt. Vor allem nach dem Spiel auf Schalke, bei dem alles okay war. Das ist immerhin eine starke Truppe. Das müssen die Jungs in der Chefetage beim FC jetzt selbst verantworten.

Erst diese Riesen-Abfeierei und dann auf dem Boden liegen - das ist der FC. Jetzt wurde einer gesucht, den sie schlachten müssen, und das war leider der Herr Stöger. Es ist die absolut falsche Entscheidung.

Ich hätte es richtig gefunden, mit ihm in die Zweite Liga zu gehen. Er hätte es geschafft, dass man auch aus dem Loch wieder rausgekommen wäre. Das sind in meinen Augen kopflose Entscheidungen beim FC."


Hella von Sinnen (TV-Moderatorin und Comedian):

"Mir persönlich war der Peter Stöger immer sehr sympathisch mit seiner österreichischen Art. Mentalitätstechnisch hat er unheimlich gut zu diesem hysterischen 1. FC Köln gepasst.

Wenn es nicht so branchenüblich wäre, Trainer nach vier, fünf Niederlagen zu entlassen, was eine Verrohung der Sitten ist, dann wäre ich auch überrascht. Permanent Trainer über die Klinge springen zu lassen, ist einfach unerträglich.

Ich weiß jetzt nicht, wie der Druck intern wirklich war. Von den Fans kam jedenfalls kein Druck. Wie ich das in den vergangenen Wochen mitbekommen habe, waren sie nicht gegen Stöger. Und ihn schon vor dem Schalke-Spiel über die Trennung zu informieren, das ist ekelhaft.

Das ist eine Entscheidung, die zeigt, dass der 1. FC Köln in den nächsten Jahren wieder ein Trümmerfeld wird. Kopflose Entscheiderei, die Luft ist raus und kein Vertrauen - eine Schande.

Es ist unglaublich und keiner versteht es. Mir tut es sehr leid. Wir hatten Wind unter den Flügelchen und jetzt liegen wir wieder kaputt am Boden. Menschlich ist es schäbig, so mit Stöger umzugehen. Aber er ist Profi genug, dass er weiß, dass das Business so ist. Da hat keiner das Rückgrat, zu einem Trainer zu stehen. "    

Wolfgang Bosbach (CDU-Politiker):

"Für Peter Stöger tut es mir unendlich leid, weil er jahrelang hervorragende Arbeit gemacht hat und weil er in den vergangenen Monaten darauf verzichtet hat durch den ständigen Hinweis auf die Verletzungsserie beim FC nach Ausreden zu suchen. Und weil er im persönlichen Umgang ausgesprochen angenehm ist.

Aber nach dem Spiel gegen Hertha BSC musste der Verein nun handeln. Gegen Schalke hat die Mannschaft deutlich besser gespielt, aber wenn kein Wunder passiert, dann steigen wir in die Zweite Liga ab. Die Entscheidung, Stöger zu entlassen, ist ein verzweifelter Versuch, die Klasse zu halten.

In so einer Situation können die Veranwtortlichen nur Fehler machen. Jetzt ist es nicht zu spät, denn wir haben einen Punkt mehr als nach Hertha. Es ist eine Kombination von Problemen, denn es geht auch um einen neuen Sportdirektor. Dann kam noch die Sache mit Horst Heldt dazu, der sicher gerne nach Köln gekommen wäre.

Und dann auch noch die Auseinandersetzung mit dem Fitness-Trainer. Innerhalb von wenigen Wochen wurde der Verein mit einer Fülle von Problemen konfrontiert. Generell kann ich die Entscheidung, sich von Stöger zu trennen, nachvollziehen. Es war die letzte Möglichkeit, einen Versuch zu unternehmen, die Klasse zu halten."


Manuel Andrack (TV-Moderator und Autor):

"Ich finde die Entscheidung, sich von Peter Stöger zu trennen, sehr schade. Ich hätte als Verantwortlicher einfach gesagt 'das ist ein super Trainer.' Man hat ja gesehen, dass sich die Mannschaft nicht hängen lassen hat.

Wir werden den Europapokal hoffentlich auch ohne Stöger gewinnen. Ich hätte mir von Seiten der Bosse gewünscht, dass man gesagt hätte: 'Egal, was passiert, auch in der Zweiten Liga ist das unser Trainer'. Aber das ist halt so in der Branche.

Die Entspanntheit von Stöger würde ich jetzt mitnehmen in die Zweite Liga. Die Marschrichtung ist klar: Nächstes Jahr Zweite Liga und Champions League."

Peter Millowitsch (Leiter Volkstheater Millowitsch):

"Es ist sicher einfacher einen Mann zu entlassen, als eine ganze Mannschaft. Wie sinnvoll das ist, steht auf einem anderen Blatt.“