Menschenrechtsgericht billigt Entzug des Sorgerechts nach brutalen Züchtigungen

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat den Entzug des Sorgerechts für Mitglieder der für ihre brutalen Erziehungsmethoden berüchtigten Sekte "Zwölf Stämme" gebilligt. Die Straßburger Richter wiesen am Donnerstag die Beschwerden von vier Familien gegen Deutschland ab, deren Kinder in Pflegefamilien und Heimen untergebracht worden waren. Die Eltern hatten den deutschen Behörden einen Verstoß gegen das Grundrecht auf Schutz des Familienlebens vorgeworfen.

Der Gerichtshof wies diesen Vorwurf zurück: Angesichts des Risikos "einer systematischen und regelmäßigen körperlichen Züchtigung von Kindern" seien die deutschen Gerichte verpflichtet gewesen, die Kinder in Obhut zu nehmen, heißt es in dem Urteil. Die deutsche Justiz habe damit eine "unmenschliche oder erniedrigende Behandlung" verhindern wollen, die laut der Europäischen Menschenrechtskonvention verboten sei.

Die Prügelpraxis bei den "Zwölf Stämmen" war 2012 durch Medienberichte ans Licht gekommen. Daraufhin schritten die Jugendämter ein und ordneten die Unterbringung von rund 40 Kindern in Pflegefamilien oder Heimen an. Zuvor hatten Aussteiger berichtet, dass Kinder von ihren Eltern, Lehrern oder anderen Sektenmitgliedern bereits ab dem Alter von zwei Jahren mit Rutenschlägen misshandelt wurden. Die Sekte beschloss schließlich, sich in der Tschechischen Republik niederzulassen - wo Prügelstrafen nicht gänzlich verboten sind. Ihre letzten Mitglieder verließen Bayern Anfang vergangenen Jahres.