Menschenrechtler prangern hohe Haftstrafen für IS-Angehörige im Irak an

Human Rights Watch (HRW) hat die irakische Justiz aufgefordert, weniger harte Strafen für ausländische Frauen und Kinder von IS-Kämpfern zu verhängen. Derzeit werde keine Rücksicht auf "individuelle Umstände" genommen, und ein gerechtes Verfahren sei nicht gewährleistet, hieß es in einem am Donnerstag in Bagdad veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation.

Viele Frauen seien zum Tode oder einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Kinder ab neun Jahren drohten fünf Jahre Haft bei Mitgliedschaft in der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) und 15 Jahre Haft bei Beteiligung an Gewalttaten, erklärte Human Rights Watch weiter. Diese Art der Strafverfolgung sei nicht verhältnismäßig, sagte Nadim Houry, Leiter der Abteilung "Terrorismus und Terrorismusbekämpfung" bei HRW.

Die meisten verurteilten Frauen sind nach Angaben der Organisation Türkinnen oder kommen aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Auch mehrere Frauen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern befinden sich derzeit im Irak in Haft, weil sie sich teilweise mit ihren Kindern dem IS anschlossen.

Der Irak war 2014 nach Jahrzehnten geprägt durch Sanktionen und Krieg von der IS-Miliz überrannt worden. Zeitweise stand ein Drittel des Staatsgebiets unter Kontrolle der Dschihadisten, die dort ein "Kalifat" ausriefen. Nach und nach gelang den irakischen Regierungstruppen mit Hilfe internationaler Streitkräfte die Rückeroberung des Landes. Im Dezember verkündete die Regierung schließlich den Sieg über den IS.