Was die Menschen in Nordirland über den Brexit denken

Rachel Wearmouth
Ein Mann in Belfast.

“Wenn ich sage, dass wir auf der Grenze leben, dann meine ich das wörtlich,” sagt Seamas O’Reilly. Seine Stimme überschlägt sich. Deutlich lässt sich aus seinen Worten die angestaute Frustration heraushören.

O’Reilly ist 32 Jahre alt und kommt aus einem Vorort der nordirischen Stadt Derry. Er versucht uns zu erklären, welche Auswirkungen er und sein Vater Joe, ein pensionierter Ingenieur, sich vom bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union erwarten.

Die Grenze zwischen Großbritannien und der Republik Irland verläuft quer durch O’Reillys Garten. Sie stellt selbst die leidenschaftlichsten Brexit-Befürworter vor ein nahezu unlösbares Problem.

Denn Nordirland gehört zum Vereinigten Königreich, die Republik Irland zur EU. Nach dem EU-Austritt Großbritanniens droht nicht nur, dass zwischen beiden Ländern wieder Grenzkontrollen eingeführt werden und die Wirtschaft darunter leidet – sondern auch, dass alte Narben aus der so bewegten wie gewalttätigen irisch-irischen Geschichte wieder aufreißen.

“Ab und an ging der Wachposten in die Luft” 

Seamas O'Reilly mit seinem Vater Joe.

O’Reilly deutet durch sein Küchenfenster auf ein kleines Garagengebäude. Zu Zeiten des Nordirlandkonflikts stand dort noch ein von bewaffneten Soldaten bemannter Grenzposten. Die Begegnungen mit den Grenzwächtern beschränkten sich zwar meist auf eine Passkontrolle und ein kurzes Nicken, doch das war nicht immer so.

“Ab und an ging der Posten auch in die Luft”, sagt O’Reilly. “Die Wucht der Explosionen hat uns regelmäßig die Fenster zerstört.”

Er fügt hinzu: “Niemand mochte die Grenzposten. Über die letzten zwanzig Jahre hat sie hier auch ehrlich gesagt niemand vermisst.”

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