Menschen in Gaza strömen nach 30 Jahren Kino-Pause vor die Leinwand

Einmalige Kinoaufführung in Gaza

Erstmals seit 30 Jahren haben die Menschen im Gazastreifen eine Kinoaufführung besuchen können: Das vor Jahrzehnten geschlossene Samer-Kino in Gaza öffnete am Samstagabend einmalig für die Aufführung eines palästinensischen Films seinen Filmsaal. Rund 300 Bewohner verfolgten die Aufführung - trotz großer Hitze und fehlender Klimaanlage. Die letzten Kinos in dem von zwei Millionen Menschen bewohnten Gebiet hatten in den 1980-er Jahren geschlossen.

Die Initiatoren wollten die Aufführung vom Samstagabend als "symbolische Aktion" verstanden wissen, "um die Idee des Kinos zurück nach Gaza zu bringen", wie Organisator Ghada Salmi zu AFP sagte. Nerman Ziara, eine der Darstellerinnen des Films, forderte die dauerhafte Neueröffnung eines Kinos: "Gesellschaften müssen sich durch Spielfilme und Dokumentationen weiterentwickeln", sagte sie. "Wir Palästinenser brauchen Raum für Kunst."

Gezeigt wurde der Film "Zehn Jahre". Er war im Gazastreifen gedreht worden und erzählt die Geschichte palästinensischer Gefangener in israelischen Gefängnissen. In dem Streifen gehe es weniger um Politik als um menschliche Geschichten, sagte Organisator Salmi.

Zuletzt hatte es im Jahr 1987 Kinoaufführungen im Gazastreifen gegeben. Dann brannte ein Kino aus, für die Tat wurden islamistische Radikale verantwortlich gemacht. "Die übrigen Kinos hatten dann zu viel Angst, um noch Filme zu zeigen", sagte Salmi. Die Aufführung am Samstag erfolgte mit Genehmigung der radikalislamischen Hamas-Regierung im Gazastreifen.