Meister des Lichts - Schau über Kameramann Robby Müller

Der niederländische Kameramann Robby Müller ist ein Meister des Lichts. Foto: Sophia Kembowski

Er ließ Björk für Lars von Triers «Dancer in the Dark» tanzen. Und er filmte den im Kanu schippernden Johnny Depp in Jim Jarmuschs «Dead Man». Der niederländische Kameramann Robby Müller gehört zu den ganz Großen seines Fachs.

Er gilt als Virtuose hinter der Kamera. Das Berliner Museum für Film und Fernsehen widmet dem heute 77-Jährigen von Donnerstag an eine große Werkschau.

Die Ausstellung «Robby Müller - Master of Light» (bis 5. November) zeigt, wie der Meister des Lichts die Welt sieht. Einen eindrucksvollen Einblick in das Denken des Kameramanns geben dabei auch private Videotagebücher und Polaroids, die am Rande von Dreharbeiten entstanden.

Mit Wim Wenders drehte Müller allein 14 Filme. «Man findet den Stil eines Films in den ersten zwei, drei Tagen», sagt Wenders in einem in der Ausstellung gezeigten Interview. Bei heute als Klassiker geltenden Filmen wie «Paris, Texas», «Alice in den Städten», «Der amerikanische Freund» und «Die Angst des Tormanns beim Elfmeter» arbeiteten die beiden Künstler zusammen.

Müllers Arbeitsweise können die Besucher anhand von Drehbüchern, Storyboards, Set-Skizzen, Fotos und der Korrespondenz mit Regisseuren und Schauspielern nachverfolgen. Auf riesigen Leinwänden mit Filmausschnitten wird der «spezielle Blick» des Kameramanns erlebbar. Müller, der wegen einer Erkrankung im Rollstuhl sitzt, war zur Ausstellungspräsentation am Mittwoch zusammen mit seiner Frau Andrea aus Amsterdam angereist.

«Was ihn so besonders macht, ist sein Umgang mit natürlichem Licht», sagt Georg Simbeni, der die vom Eye Filmmuseum Amsterdam konzipierte Ausstellung für Berlin eingerichtet hat. «Andererseits scheut er sich auch nicht, natürliches Licht und künstliche Lichtquellen zu mischen. Wir sehen das bei Wenders' «Der amerikanische Freund», wo Müller ganz stark mit Neonlicht arbeitete.» Müller sei außerdem nicht nur ein Meister des Lichts, sondern auch ein Meister der Farbe.

Müllers Ziel sei es nicht, den Blick des Zuschauers zu lenken, so Simbeni. Vielmehr solle der Zuschauer seinen Blick schweifen lassen. Gemeinsam mit Wenders habe Müller den typischen Roadmovie-Stil entwickelt, bei dem aus Helikoptern und aus fahrenden Autos heraus gefilmt wird.

«In seinen Arbeiten scheinen Einflüsse von Edward Hopper auf, sein Einsatz des Lichts erinnert an Gemälde Vermeers», so die Ausstellungsmacher über Müller. «Starren Systemen, überflüssigen Vorschriften und einer konventionellen Arbeitsweise gegenüber abgeneigt, bleibt Müller während seiner gesamten Karriere dem eigenen Ansatz treu: keine unnötigen technischen Hilfsmittel, keine übertriebene Ausleuchtung und keine effektheischende «Kamera-Akrobatik», wie er es selbst nennt.»

Für Lars von Triers «Dancers in the Dark» arbeitete Müller mit der Handkamera. Bei Jim Jarmusch stand Müller für die Schwarzweiß-Filme «Down by Law» und «Dead Man» hinter der Kamera. Auch mit den deutschen Autorenfilmern Edgar Reitz und Hans W. Geißendörfer arbeitete Müller zusammen.

Anders als Regisseure stehen Kameramänner selten im Rampenlicht. «Er ist ein sehr bescheidener Mensch», sagt Kurator Simbeni über Robby Müller. Einer der Kameramänner, die sich zurücknehmen, beobachten und in die Stimmung des Films einfühlen. Parallel zur Ausstellung wird es im Arsenal-Kino vom 4. bis 17. August eine Filmreihe mit Robby-Müller-Werken geben.

Museum für Film und Fernsehen