Bei den meisten Kindern verschwindet ADHS nicht — sondern bleibt auch im Erwachsenenalter bestehen

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ADHS – das betrifft doch diese Zappelkinder, oder? Oft verbinden wir eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) mit Kindern – weil sie in der Regel schon in der Kindheit festgestellt wird. Lange sind auch Forscherinnen und Forscher davon ausgegangen, dass ADHS im Laufe des Erwachsenwerdens in vielen Fällen verschwindet. Doch wie eine neue, im „American Journal of Psychiatry“ veröffentlichte Langzeitstudie ergab, ist das wohl gerade einmal bei zehn Prozent der Kinder tatsächlich der Fall.

Mit dieser Erkenntnis ist die frühere Annahme überholt, dass die Störung nur in etwa 50 Prozent der Fälle auch ins Erwachsenenalter überdauert. Tatsächlich scheinen bei sogar 90 Prozent der Betroffenen Restsymptome der ADHS bis ins junge Erwachsenenalter aufzutreten, die sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen und auswirken. Je nach Lebensphase sind sie mal stärker und mal weniger stark ausgeprägt, so die Forscher.

"Es ist wichtig, dass Menschen, bei denen ADHS diagnostiziert wurde, verstehen, dass es normal ist, dass es Zeiten im Leben gibt, in denen die Dinge vielleicht unkontrollierbarer sind, und andere Zeiten, in denen man die Dinge besser unter Kontrolle hat", sagte Margaret Sibley, Professorin für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften an der University of Washington School of Medicine, in einer Pressemitteilung.

Die Symptome von ADHS fallen in aller Regel in zwei Gruppen: Es gibt Symptome, die die Betroffenen unaufmerksam werden lassen, etwa Desorganisation, Vergesslichkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Und es gibt jene, die zur Hyperaktivität gehören – also Impulsivität, die sich bei Kindern vor allem durch einen Überschuss an Energie äußert. Bei Erwachsenen kommt es unter anderem zur verbalen Impulsivität und zu Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung.

Im Rahmen der Studie waren 558 Kindern mit ADHS über einen Zeitraum von 16 Jahren beobachtet worden. Alle zwei Jahre wurden die Kinder dabei acht Tests unterzogen, bei denen ihre Symptome erfasst und analysiert wurden. Frühere Studien hatten oft nur einen einzigen Beobachtungspunkt im Erwachsenenalter eingeplant – vermutlich waren daher die Zahlen zu ADHS in dieser Altersgruppe zu niedrig geschätzt worden, da nicht alle Symptome immer auftreten.

Die Forscher fanden auch heraus: Selbst die meisten Menschen der zehn Prozent, die technisch gesehen die Kriterien für ADHS im Erwachsenenalter nicht mehr erfüllten, zeigten immer noch "Spuren" von ADHS – kamen damit aber mit diesen gut zurecht. "Der Schlüssel liegt darin, einen Beruf oder eine Lebensleidenschaft zu finden, bei der ADHS nicht stört", so Sibley. Viele kreative Menschen hätten ADHS, weil sie in der Lage sind, in ihren kreativen Unternehmungen trotz ADHS erfolgreich zu sein. Den ganzen Tag detailorientiert am Computer arbeiten zu müssen, das könne hingegen wirklich schwierig für Menschen mit ADHS sein.

Noch wissen die Forscher nicht, was genau ADHS verursacht, von der schätzungsweise fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung betroffen ist. Laut Sibley könnten aber Stress, die falsche Umgebung und ein ungesunder Lebensstil mit zu wenig Schlaf, ungesunder Ernährung und unregelmäßigem Sport zur Entwicklung der Störung beitragen.

Neben Medikamenten und Therapien sind auch eigene gesunde Bewältigungsstrategien wichtig für den Umgang mit ADHS. Betroffene sollten sich die Zeit nehmen, um ihre Symptome zu verstehen und sie dann auch kontrollieren zu können – andernfalls geraten sie womöglich noch mehr außer Kontrolle. Professionelle Hilfe wird nötig, wenn es aufgrund eurer Symptome nicht mehr möglich ist, sein Bestes zu geben oder es zu Schwierigkeiten dabei führt gesunde, langfristige Beziehungen aufrechtzuerhalten – oder die Symptome gar alltägliche Aufgaben behindern, etwa die Übersicht über die eigenen Finanzen oder den Haushalt.

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