Meist chancenlos: Deutsche bei den Oscars

Seit 1929 wird der Academy Award nun schon vergeben. Doch wenn es dann ans Eingemachte geht, stehen deutsche Künstler meistens mit leeren Händen da. Deshalb fällt die Liste der Oscar-Sieger made in Germany auch so verdammt kurz aus:  

Von Thomas Lassonczyk

Wenn am 26. Februar die Oscars vergeben werden, dann versucht im Schatten des großen Favoriten “La La Land" auch ein deutscher Film sein Glück.

Es ist Maren Ades “Toni Erdmann", der seit seiner Premiere bei den Filmfestspielen von Cannes im Mai vergangenen Jahres einen unglaublichen Siegeszug hingelegt hat. Und das nicht nur bei Presse und Publikum, sondern auch bei den Jurys. So gewann die satirische Komödie über eine kuriose Vater-Tochter-Beziehung unter anderem zwei Bayerische Filmpreise und fünf Europäische Filmpreise. Ob es aber dann auch für den Academy Award für den besten nichtenglischsprachigen Film reichen wird, ist sehr fraglich. Denn die Konkurrenz aus Dänemark, Schweden, Australien und dem Iran ist nicht zu unterschätzen. Und dann kommt hinzu, dass Filmschaffende aus deutschen Landen generell nicht gerade oft in Los Angeles ausgezeichnet werden.

Der letzte, der den begehrten Goldjungen mit nach Hause nehmen durfte, war Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck. Er hatte 2007 mit seinem großartigen Stasi-Drama “Das Leben der Anderen” für Furore gesorgt und somit dem Kino made in Germany endlich wieder eine internationale Bühne beschert.

Auch Caroline Link gehört zu jenen Ausnahmen, die bei der Oscar-Jury auf Wohlwollen stießen. Sie hatte gar das Kunststück fertig gebracht, innerhalb von nur fünf Jahren zwei Mal nominiert zu werden, 1998 für “Jenseits der Stille” und 2003 für “Nirgendwo in Afrika”, der letztlich auch ausgezeichnet wurde, obwohl ihr starkes Drama über eine Familie von Gehörlosen eigentlich der bessere Film gewesen wäre. Nimmt man dann noch Volker Schlöndorffs bahnbrechende Literaturverfilmung “Die Blechtrommel", die 1980 siegreich war, ist es mit der deutschen Herrlichkeit auch schon vorbei, zumindest in dieser Kategorie. Zwar wurden immer wieder große deutsche Regisseure wie Wim Wenders, Rainer Werner Fassbinder oder Werner Herzog nominiert, aber am Ende standen sie alle mit leeren Händen da. Besser machten es da schon die Techniker und Designer. So gingen in den 1970er Jahren allein vier Oscars (Wissenschafts- und Entwicklungspreis) nach Deutschland, für Menschen, die an der Arriflex 35, einer der wichtigsten Kameras der Kinogeschichte, gearbeitet haben.

Außerdem wurde das deutsche Team von “Cabaret" für das beste Szenenbild ausgezeichnet. Für Lichtblicke in der jüngeren Vergangenheit sorgten außerdem Hans Zimmer, der für seine Filmmusik zu “König der Löwen” gewann.

Oder natürlich der Deutsch-Österreicher Christoph Waltz, der innerhalb von drei Jahren die kleine goldene Statuette in der Sparte bester Nebendarsteller (“Inglourious Basterds”, 2010, “Django Unchained”, 2013) gleich zwei Mal in Empfang nehmen durfte.

Einen Wahnsinns Erfolg feierte schließlich auch Wolfgang Petersen mit seinem Weltkriegs-Drama “Das Boot". Der Film wurde 1983 für sensationelle sechs Oscars nominiert, und zwar in den Kategorien Regie, Kamera, Drehbuch, Schnitt, Ton und Tonschnitt. Doch gewinnen konnte das Team um Petersen keinen einzigen. Dieses Beispiel scheint symptomatisch für das Abschneiden der Deutschen bei den Academy Awards zu sein. Aber immerhin gingen im neuen Millennium schon fünf Studenten-Oscars an Filmemacher aus unserem Land. Das macht Hoffnung, denn diesen jungen Menschen gehört ja die Zukunft. Jetzt heißt es jedoch erst einmal: Daumen drücken für “Toni Erdmann".

Bilder: ddpImages (5), Constantin (1)