Mehrheit der Arbeitnehmer empfindet eigenen Lohn als gerecht

60 Prozent der Arbeitnehmer empfinden ihren Bruttolohn als gerecht. Beim Nettolohn gaben dies allerdings nur 55 Prozent an, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Studie des arbeitgebernahen IW-Instituts in Köln ergab. Je weniger die Menschen verdienten, umso mehr empfanden sie ihren Lohn als ungerecht.

Die IW-Forscher werteten für die Untersuchung Umfragedaten des Sozioökonomischen Panels aus dem Jahr 2015 aus. Von den Befragten, die weniger als 9,62 Euro brutto pro Stunde verdienten, empfanden demnach nur 53 Prozent ihre Löhne als gerecht. Menschen, die mehr als 23,09 Euro je Stunde verdienten, waren hingegen mit dem Brutto-Lohn zu 78 Prozent und mit dem Nettolohn zu 70 Prozent zufrieden.

Als am wenigsten gerecht empfanden ihre Löhne Arbeitnehmer, die zwischen 9,62 und 13,24 Euro pro Stunde verdienten - hier waren es beim Bruttoverdienst 49 Prozent und beim Nettoverdienst 46 Prozent. Die Differenz zwischen der Zufriedenheit mit dem Brutto- und Nettolohn wuchs, je mehr Abgaben die Arbeitnehmer an den Staat zahlen mussten.

Weitere Erkenntnisse aus der Studie sind, dass Menschen mit steigender Berufserfahrung ihren Lohn als ungerechter empfinden als ihre jüngeren Kollegen; Teilzeit- und geringfügig Beschäftigte waren zufriedener als Vollzeitbeschäftigte, Fach- und Hilfsarbeiter zufriedener als Akademiker. Eine Bezahlung nach Tarif wirkte sich demnach positiv auf das Gerechtigkeitsempfinden aus.

Allerdings schließen die Autoren, dass weder stärkere staatliche Umverteilung über Steuern noch einheitlichere Löhne automatisch die Zufriedenheit der Menschen deutlich steigern. Mehr als die "tatsächliche" Lohnverteilung scheine die Menschen demnach die "wahrgenommene" Lohnverteilung zu beeinflussen. Eine Verbesserung der wahrgenommenen Chancengerechtigkeit könne deshalb einen entscheidenden Faktor darstellen.