Mehrere Schwerverletzte bei Massenschlägereien unter Migranten in Calais

Flüchtlinge in Calais stehen bei der Essensausgabe an

Bei Massenschlägereien unter Migranten in der französischen Stadt Calais sind mehrere Menschen schwer verletzt worden. Fünf Flüchtlinge hätten lebensbedrohliche Schusswunden erlitten, 18 weitere seien durch Schläge mit Eisenstangen verletzt worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstagabend mit. Innenminister Gérard Collomb begab sich noch am Abend nach Calais, um mit den Behörden über die angespannte Lage zu beraten.

Zu den ersten gewaltsamen Zusammenstößen kam es nach Polizeiangaben am Nachmittag: Rund hundert Migranten aus Eritrea und rund 30 Afghanen gingen bei der Essensausgabe aufeinander los, nachdem ein Afghane Schüsse abgefeuert hatte.

Eine zweite Schlägerei habe es kurze Zeit später fünf Kilometer weit entfernt auf einem Industriegelände gegeben. Dort hätten mehr als hundert Eritreer eine Gruppe von 20 Afghanen mit Eisenstangen und Stöcken angegriffen. Die Polizei musste nach eigenen Angaben dazwischengehen, um die Afghanen zu schützen.

Vier schwerverletzte Eritreer zwischen 16 und 18 Jahren wurden in Krankenhäuser von Calais eingeliefert, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Der fünfte Schwerverletzte wurde wegen seines sehr schlechten Zustands in ein Krankenhaus ins benachbarte Lille gebracht.

Zuletzt hatten in Calais im vergangenen November Migranten aufeinander geschossen, bei einem Streit unter Afghanen gab es damals fünf Verletzte. Anfang Juli 2017 waren 16 Menschen bei Zusammenstößen verletzt worden, im Juni 2016 erlitten 40 Menschen bei Schlägereien Verletzungen.

In Calais halten sich nach Schätzung von Hilfsorganisationen derzeit rund 800 Migranten auf, die örtlichen Behörden sprechen von bis zu 600 Flüchtlingen. Sie versuchen, versteckt auf Lastwagen auf dem Seeweg oder durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen. Sie leben unter elenden Bedingungen, weshalb es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen unterschiedlichen Nationalitäten kommt.

In einem "wilden" Flüchtlingslager, das 2016 von der Polizei abgerissen wurde, hatten zeitweise bis zu 10.000 Flüchtlinge in Calais gehaust. Das als "Dschungel" bekannte Lager war in Frankreich zum Symbol für die Hilflosigkeit der Behörden im Umgang mit der steigenden Zahl von Migranten geworden.