Mehr Rendite durch Unternehmen mit Sinn und Zweck

Sven Vogel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Foolishes Investieren ist unternehmensorientiertes Investieren. Am liebsten besitzen wir natürlich Anteile an den besten Unternehmen dieser Welt. Ganz einfach, weil diese langfristig oftmals auch die besten Renditen versprechen – zu zwei Beispielen der letzten zehn Jahre komme ich gleich, versprochen.

Die Preisfrage lautet aber zunächst: Wie erkennt man hervorragende Unternehmen? Eine Frage mit unzähligen Antwortmöglichkeiten. Eine mögliche davon: Unternehmen, die nach etwas Größerem streben als nach dem bloßen Geldverdienen. Unternehmen also, die einen Sinn und Zweck verfolgen. Die Bewegung des bewussten Kapitalismus sieht dabei vor allem vier Kriterien als wichtige Bestandteile. Das wollen wir hier aber nicht weiter vertiefen, sondern den Blick nun auf die zwei besten DAX-Aktien der letzten zehn Jahre werfen.

Adidas (WKN:A1EWWW) und Fresenius  (WKN:578560) waren in den letzten zehn Jahren die zwei DAX-Unternehmen, die ihren Aktionären die höchsten Renditen bescherten. Die zwei Unternehmen haben aber noch etwas anderes gemeinsam. Sie hatten auch schon vor zehn Jahren ein höheres Ziel, als einfach nur mehr Geld zu verdienen.

Adidas: Leidenschaft für Sport

Investoren, die vor zehn Jahren Aktien des deutschen Sportartikelherstellers gekauft haben, können sich heute über eine Kurssteigerung von 302 % freuen. Eine Verdreifachung des investierten Kapitals.

Natürlich ist diese außergewöhnliche Entwicklung des Aktienkurses das Ergebnis eines überaus erfolgreichen Unternehmens. Der Umsatz konnte von 10,3 Milliarden Euro im Jahr 2007 auf nun 19,3 Milliarden Euro im Jahr 2016 gesteigert werden – und das bei einer konstanten Gewinnmarge.

Was macht Adidas derart erfolgreich? Ein Ansatzpunkt bietet der Geschäftsbericht des Jahres 2007 . Schon auf der Titelseite leuchtet eine markante Botschaft:

United by sport – Sport kennt keine Grenzen. Sport ist Leidenschaft. Überall auf der Welt. Jeder Sportler lebt dafür. Genau wie wir. Jede Sekunde.

Im Geschäftsbericht 2016 setzt Adidas noch einen drauf und bekennt sich zu seiner Kernüberzeugung:

Durch Sport können wir Leben verändern.

Natürlich möchte Adidas als Unternehmen Geld verdienen, viel lieber sicherlich sogar eher mehr als weniger. Der Antrieb dieses Gewinnstrebens ist aber die Leidenschaft für Sport. Die Leidenschaft dafür, Hobby- und Profisportler auf der ganzen Welt die besten Materialien zu bieten, sich ständig zu verbessern und ein Lebensgefühl zu schaffen.
Dieser Geist hat sicher dazu beigetragen Adidas derart erfolgreich werden zu lassen.

Fresenius: Menschen helfen

Die zweitbeste Entscheidung der letzten zehn Jahre wären für DAX-Investoren die Papiere von Fresenius gewesen. Der Lohn dieser Entscheidung? Eine Rendite von 251 % bis zum heutigen Zeitpunkt.

Genau wie bei Adidas geht es auch bei Fresenius darum, Geld für die Aktionäre zu verdienen – viel Geld, um genau zu sein. Die dahinterstehende Antriebskraft ist aber auch hier eine andere. Auch Fresenius stellt diesen Antrieb prominent auf die erste Seite des Geschäftsberichts 2007:

Weiter … denken: Ist Ausdruck unserer Motivation, medizinischen Fortschritt zum Nutzen der Patienten voranzutreiben.

Diese klare Mission hat sicherlich einen großen Anteil an der fantastischen Entwicklung des Fresenius-Konzerns. Die Umsätze konnten von 11,4 Milliarden Euro im Jahr 2007 auf nun 29 Milliarden Euro im Jahr 2016 gesteigert werden. Die Gewinnmarge kletterte im selben Zeitraum von 3,6 % auf 5,5 %.

Auch heute hat Fresenius noch immer denselben Antrieb. In seinem Brief an die Aktionäre zum Jahresabschluss 2016 drückt es Stephan Sturm folgendermaßen aus:

Auch künftig lautet unser Anspruch: immer bessere Medizin für immer mehr Menschen.

Auch wenn es deutlich mehr Spaß macht, über positive Beispiele zu berichten, als den Finger in die Wunde zu legen, führt kein Weg an der Commerzbank (WKN:CBK100) vorbei – dem DAX-Renditeschlusslicht der letzten zehn Jahre.

Commerzbank: Fokus auf Wachstum und Effizienz

Natürlich ist es nicht erstaunlich, dass eine Bank die schlechteste Performance der letzten zehn Jahre im DAX hinlegte. Beginnend mit der Finanzkrise war es für die Banken kein einfaches Jahrzehnt. Mini-Zinsen und Regulierungsvorgaben machten die Geschäfte der Banken nicht gerade einfach – auch nicht für die Commerzbank.

Dafür verkündete die Commerzbank auf dem Deckblatt des Geschäftsberichts für das Jahr 2007 aber sehr optimistisch:

Fokus auf Wachstum und Effizienz.

Auch die Worte des Vorstandsvorsitzenden lassen nur sehr schwer eine Begeisterung für das Geschäft, den Kunden oder eine größere Vision erkennen.

Man mag sich nun vielleicht denken, dass es bei Banken nun mal einfach ums Geld geht. Das es anders läuft zeigte im Jahr 2007 aber der CEO der amerikanischen Bank JPMorgan Chase , der in seinem Brief die folgenden Worte an die interessierte Öffentlichkeit richtete:

Ich hoffe, dass Sie es genau so sehen wie ich: Auch wenn unser Unternehmen in diesen herausfordernden Zeiten vielen Risiken ausgesetzt ist, werden wir weiter wachsen, viele unserer Konkurrenten übertreffen und dort gewinnen, wo es am meisten zählt: mit Kunden im Markt.

Wärst du gezwungen gewesen mit den vorliegen Informationen zwischen der Commerzbank und JPMorgan Chase zu wählen, was wäre deine Wahl gewesen? Commerzbank? Zonk! 88 % Verlust. Wäre deine Wahl auf JPMorgan Chase gefallen? Jackpot! Herzlichen Glückwunsch, du könntest dich heute über ein Kursplus von 196 % freuen.

Die Grenzen des Ganzen und warum es dennoch oft funktioniert

Natürlich ist es bei Weitem nicht genug, ausschließlich nach dem Sinn und Zweck eines Unternehmens zu suchen. Auch Unternehmen ohne größeres Ziel können erfolgreich sein. Pech, gesetzliche Veränderungen oder einfach nur eine falsche Entscheidung können auf der anderen Seite natürlich auch Unternehmen mit höheren Zielen scheitern lassen.

Aber einen Vorteil haben Unternehmen mit einem größeren Ziel auf alle Fälle: die Motivation der Mitarbeiter. Mitarbeiter, die sich mit dem Sinn und Zweck des Unternehmens identifizieren, regelrecht dafür brennen und bei ihrer Arbeit alles geben; das ist ein großer Vorteil solcher Unternehmen.

Ein Mitarbeiter, der seine Leidenschaft für Sport bei Adidas zur Entfaltung bringen kann, wird wohl mehr Engagement an den Tag legen als ein Mitarbeiter, der in einem anderen Unternehmen nach Effizienz und Wachstum strebt.

Wenn es also auch nur ein Punkt unter vielen ist, der großartige Unternehmen auszeichnet, so sollte man den Sinn und Zweck eines Unternehmens nicht unterschätzen.

Selbstverständlich können sich die Ankündigungen in Geschäftsberichten auch als inhaltsleere Worthülsen entpuppen. Daher sollte man dringend nach handfesten Anhaltspunkten suchen, die großartige Verkündigungen im Geschäftsbericht mit Leben füllen.

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Sven besitzt Aktien von Fresenius. The Motley Fool empfiehlt Fresenius.

Motley Fool Deutschland 2017