Mehr als nur ein Strohfeuer?

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Mehr als nur ein Strohfeuer?
Mehr als nur ein Strohfeuer?
Mehr als nur ein Strohfeuer?

Nachhaltigkeit, dieser Begriff hat für Julian Brandt auch für sein fußballerisches Wirken eine Dimension und zielt dabei trotzdem genauso auf einen sorgsameren Umgang mit Ressourcen ab. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Noch besser gesagt darauf, dass der Mittelfeldakteur von Borussia Dortmund mit seinem Potenzial als Profi-Sportler weniger verschwenderisch haushaltet, ohne dass Brandt es dabei wirklich verantwortungsvoll ausschöpft.

Oftmals zu phlegmatisch, zu große Leistungsschwankungen, bisweilen auch der Vorwurf einer zu wenig Mentalität ausstrahlenden Körpersprache - beim 2:1 des BVB nun in der Bundesliga gegen den FC Augsburg jedoch widerlegte Brandt all diese ihm von seinen Kritikern immer wieder vorgeworfenen Attribute.

Nun aber avancierte der inzwischen 25-jährige, obwohl bereits seit zwei Jahren bei den Schwarz-Gelben nach wie vor kein Stammspieler, zum Matchwinner.

Brandt: Gala für den BVB gegen Augsburg

Sehenswert erzielte der beidfüßige Blondschopf den Siegtreffer, indem er den Ball zunächst stark mit dem rechts annahm und dann flach mit links vollendete.

Brandt brachial, besonders und beeindruckend - nicht das erste Mal zwar, aber doch viel zu selten mit Blick auf seine außergewöhnlichen Fähigkeiten.

Wie hochveranlagt er als Fußballer ist, wissen sein Arbeitgeber und auch die Verantwortlichen in der deutschen Nationalmannschaft seit langem.

Allein: Zu oft blieben Brandts Glanzlichter bislang episodisch, was Marco Rose erst wieder am Freitag vor dem Duell mit dem FCA frontal ansprach. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Coach Rose spricht von „Seriosität und Nachhaltigkeit“

„Konstanz, Seriosität und Nachhaltigkeit“, überdies „die Momente, die Jule immer wieder für ein Team bringen kann“, umriss der BVB-Coach all das, was er von dem früheren Leverkusen eigentlich einfordere.

Und nun mal wieder serviert bekam. Gegen seinen Ex-Klub kürzlich, beim furiosen Dortmunder 4:3, da hatte Brandt davon bereits eine Kostprobe gegeben, das erste Mal in dieser Saison in der Startelf gestanden und dabei noch den herrlichen Treffer zum 2:2 beigesteuert.

Nun legte Brandt nach - und schickt sich an, dass seine Top-Leistung diesmal vielleicht wirklich von Dauer ist.

„Er hat ein ordentliches Spiel gemacht und ein schönes Tor geschossen. Für solche Momente ist Jule immer zu haben. Er hat unserem Spiel viel gegeben und hat gegen den Ball fleißig gearbeitet“, meinte Rose dazu.

Erzielte dessen vorherige Mahnung (“Wir wissen, was für ein herausragender Fußballer er ist. Aber er muss das auf den Platz bringen“) also endlich seine Wirkung und kitzelt womöglich nun konstant die bislang brachliegenden Prozentpunkte aus Brandts Leistungsvermögen heraus?

Am Ende alles Kopfsache bei Brandt?

Der weiß selbst, dass bei ihm vieles auch eine mentale Angelegenheit ist.

„Es geht viel über den Kopf. Ich fühle mich derzeit extrem stabil und habe mir in den vergangenen Wochen und Monaten viel Selbstvertrauen antrainiert und angespielt“, meinte Brandt nach Abpfiff.

Rose wirkt dabei offenbar wie ein Katalysator: „Er gibt mir viel Selbstvertrauen. Es ist ein sehr gutes Verhältnis“, fügte Brandt an. Anders offenbar, als das der Fall war zu Zeiten von Ex-Trainer Lucien Favre, der Brandt immer wieder einem Positionswechsel unterwarf.

Dennoch wabert über allem die Frage: Ist der aktuelle Trend des dribbelstarken Offensivmanns doch nur ein Strohfeuer?

Denn auch wenn Brandt brillierte und mit 92 Prozent eine bemerkenswerte Pass-Quote an den Tag legte: Ein großes Manko markiert nach wie vor seine Zweikampf-Bilanz, die sich auch gegen Augsburg auf dem rechten Flügel einmal mehr vergleichsweise schwach ausnahm - trotz seiner Tempo-Vorteile.

Auch Flick mit Blick auf Brandts Konstanz

„Natürlich war das ein intensives Spiel. Bei den Spielern hat man noch die Partie gegen Lissabon (beim 1:0 gegen Benfica in der Champions League am vergangenen Dienstag, Anm. der Red.) gemerkt“, meinte Brandt. „Es war ein Kraftakt, aber wir haben es gut durchgezogen. Ein bisschen fehlte zwischendurch die Sauberkeit.“ (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Beim versierten Edel-Techniker selbst war davon nichts zu spüren, wovon viele gelungenen Aktionen zeugten, insbesondere auch im Kombinationsspiel.

Das wiederum dürfte Brandt denn auch für das DFB-Team wieder interessant machen, zumindest auf lange Sicht.

Zur Erinnerung: Ex-Bundestrainer Joachim Löw hatte den 35-maligen Nationalspieler im Frühling ausgebootet, auch bei der Nominierung für den EM-Kader blieb Brandt außen vor.

Genauso wie Löws Nachfolger Hansi Flick auf Brandt für die anstehenden Spiele in der WM-Qualifikation absah.

Brandt hat es in den kommenden Partien in Bundesliga und Königsklasse selbst in der Hand, ob er sich nachhaltig und unverzichtbar macht.

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