Mehr als nur ein Scherz?

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Mehr als nur ein Scherz?
Mehr als nur ein Scherz?

Ist ein Zweitliga-Stürmer wirklich die Lösung für die Sturmprobleme der deutschen Nationalmannschaft?

Der Name Simon Terodde wird immer öfter genannt, wenn es um die Besetzung des Mittelstürmerpostens beim DFB-Team geht. Teils wird der Name des Schalkers im Scherz in den Pool der Nationalmannschaft geworfen. Es gibt aber auch Stimmen, die den 33-Jährigen als realistische Option für Hansi Flick sehen. (DATEN: Tabellen der WM-Qualifikation)

„In Hamburg habe ich beim Rumänien-Spiel ein Plakat gesehen, auf dem Fans Simon Terodde forderten. Der Idee sollte man eine Chance geben“, forderte Lothar Matthäus in der Bild.

Terodde würde, wenn er gefüttert werde, genauso seine Tore machen wie Robert Lewandowskis Backup Eric Maxim Choupo-Moting beim FC Bayern München. „Einen Spielertypen wie ihn braucht man einfach“, erklärte der Rekordnationalspieler. (NEWS: Alles Wichtige zur WM-Qualifikation)

Vor einigen Wochen hatte auch Schalke-Legende Olaf Thon den Zweitliga-Rekordtorschützen ins Gespräch gebracht.

„Wenn man einen großen Mann braucht, warum stellt man so einen nicht da hin? Gegen Liechtenstein hätte er drei Tore mehr gemacht. Er erzielt nicht nur Tore auf dem Platz, sondern hat auch die Erfahrung, um die Mannschaft zu führen“, sagte der Weltmeister von 1990 im Maschinensucher Doppelpass 2. Bundesliga auf SPORT1.

Neururer: „Terodde ist der erfolgreichste deutsche Stürmer“

Doch ergäbe eine Nominierung Teroddes wirklich Sinn? Fest steht: In der 2. Bundesliga trifft er seit Jahren nach Belieben, auch in der aktuellen Spielzeit steht er nach neun Spielen schon wieder bei elf Treffern.

Doch in der Bundesliga wollte es nie so richtig klappen mit dem Toreschießen. In 58 Erstligaspielen für den 1. FC Köln und den VfB Stuttgart kam der 1,92 Meter große Mittelstürmer auf zehn Treffer.

„Es wird immer so dargestellt, als sei Simon Terodde in der 2. Bundesliga stark und in der ersten Liga nicht. Er ist der erfolgreichste deutsche Stürmer“, brach Peter Neururer bereits vor einigen Wochen im Maschinensucher Doppelpass 2. Bundesliga auf SPORT1 eine Lanze für seinen Ex-Schützling. Neururer hatte Terodde 2014 zum VfL Bochum geholt.

Terodde habe „das große ‚Pech‘, in der 2. Liga grundsätzlich erfolgreich zu sein und dann mit der Mannschaft aufzusteigen“, erklärte der SPORT1-Experte. Beim Aufstieg würde dann die gesamte Spielstruktur verändert. „Er ist aber nicht unbedingt der Konterstürmer und nicht jemand, der einen Gegenspieler schwindelig spielt“, sagte Neururer.

Terodde nicht für Konterspiel geeignet

In der Tat könnte genau da das Problem liegen, weshalb Terodde in der höchsten deutschen Spielklasse nie so richtig Fuß gefasst hat. Mannschaften, die in der 2. Bundesliga um den Aufstieg mitspielen, spielen oft offensiv ausgerichteten Fußball.

Eine Etage höher angekommen überlassen die Aufsteiger dann meist dem Gegner das Spiel und beschränken sich auf das Konterspiel. Und dafür ist Terodde nicht wirklich geeignet.

Denn er ist eben ein Mittelstürmer der klassischen Schule. Terodde ist kein Sprinter wie Timo Werner, seine Höchstgeschwindigkeit in der aktuellen Saison liegt lediglich bei 31,84 km/h. Zum Vergleich: Robert Lewandowski, derzeit der vielleicht beste Mittelstürmer der Welt, kam in der aktuellen Spielzeit auch „nur“ auf 32,68 km/h.

Die Stärken Teroddes liegen woanders: Er kann Bälle festmachen, körperlich dagegenhalten, ist auch bei Luftduellen präsent. Und er hat diesen Torriecher, den man kaum lernen kann. Er weiß genau, wo er sich zu positionieren hat, um in die bestmögliche Abschlussposition zu kommen.

Verbesserungspotenzial hat er sicherlich noch in Sachen Passspiel, 65 Prozent seiner Zuspiele fanden in dieser Saison den Mitspieler. Mit rund 33 Ballkontakten pro Spiel ist er ähnlich eingebunden wie Lewandowski bei den Bayern (38).

Alternative gegen tiefstehende Gegner?

Schatzschneider schwärmte jüngst im SPORT1-Interview von dem Mann, der erst kürzlich seinen Torrekord der 2. Bundesliga eingestellt hat. „Wenn ich Bayern München wäre, ich würde mir den holen. Das schadet doch nicht. Und dann spielt er eben nur zehnmal.“

Gegen tiefstehende Gegner wie Liechtenstein tat sich die DFB-Elf in der Vergangenheit oft schwer, die spielerische Überlegenheit auch in Tore umzumünzen. Mit einem Spielertypen wie Terodde hätte Flick eine Alternative mehr.

Es wäre auch nicht das erste Mal, dass die Nationalmannschaft auf einen Zweitliga-Profi setzt. Zur EM 2004 nominierte der damalige Teamchef Rudi Völler überraschend den damals 19-jährigen Lukas Podolski. Der war gerade mit dem 1. FC Köln in die zweite Bundesliga abgestiegen. Auch in der Folgesaison setzte Völler-Nachfolger Jürgen Klinsmann auf Podolski, obwohl er für einen Zweitligisten spielte.

Auch Jonas Hector verschwand nach seinem Abstieg mit Köln im Jahr 2018 nicht völlig vom Radar der DFB-Elf. Allerdings kam er in der Folgesaison nur noch zweimal unter Löw zum Einsatz.

Mit seinen 33 Jahren könnte Terodde eine Option für die Gegenwart sein, langfristig macht die Integration ins DFB-Team auch aufgrund des Alters kaum Sinn.

Doch Flick plant ohnehin mit Werner in der Zentrale. Nicht umsonst hob er in den vergangenen Tagen explizit die Stärken des Chelsea-Stürmers hervor.

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