Mehr als nur die Rückkehr zur Normalität

Sinkende Gewinne in den ersten drei Quartalen, aber das Jahresziel bereits nahezu erreicht: Die BayernLB hält trotzdem an der vorsichtigen Prognose fest und gibt zugleich Pläne für das neue Jahr bekannt.


Bei der BayernLB in München differenzieren sie sogar in offiziellen Mitteilungen mittlerweile zwischen alt und neu. Alt, das war die Zeit der Großmannssucht und des expansiven Strebens nach Größe. Also die Phase vor rund einem Jahrzehnt, als die Bank daran beinahe zugrunde gegangen wäre und gerettet werden musste. Neu, das ist der lange Zeit schmerzhafte Weg, der seit einigen Jahren andauert. Die Altlasten, die die Bank beinahe an den Rand des Ruins geführt haben, sind beseitigt. Inzwischen sei man wieder eine „normale“ Bank, heißt es.

Dass es dabei auch finanziell in die richtige Richtung geht, haben die ersten neun Monate des laufenden Jahres bewiesen. Ein Vorsteuerergebnis von 554 Millionen Euro steht dabei zu Buche, wie am Donnerstag bekannt wurde. Das sind allerdings gut sechs Prozent weniger als im gleichen Zeitraum vor einem Jahr. Grund dafür sind die hohen Verkaufserlöse aus Beteiligungen wie dem Kreditkartenanbieter Visa Europe, die sich damals positiv auswirkten. Die finanzielle Stabilität der Bank hat sich trotz des rückläufigen Gewinns noch einmal verbessert: Bei 13,9 Prozent liegt nun die harte Eigenkapitalquote, im vergangenen Jahr waren es noch 13,2 Prozent.


Etwas überraschend bleibt das Geldhaus dennoch bei seiner konservativen Prognose für das Gesamtjahr, einem positiven Vorsteuerergebnis im mittleren dreistelligen Millionenbereich. Dieses Ziel ist bei einem Gewinn von 554 Millionen Euro nach neun Monaten bereits erreicht.

Es gibt aber noch einen weiteren Aspekt: Seit der Präsentation der Bilanz für das abgelaufene Jahr im Frühjahr rechnet die Chefetage der Bank beim Vorsteuerergebnis mit einer Spanne zwischen 400 und 600 Millionen Euro. „Das obere Ende der Prognose können wir jetzt wohl erreichen“, ließ sich Finanzvorstand Markus Wiegelmann im Gespräch mit dem Handelsblatt zumindest entlocken.


Weitere operative Schritte hat die Bank bereits vollzogen. Seit einiger Zeit gibt es vermehrt Kooperationen mit anderen Häusern bei Handelsfinanzierungen, besonders in Asien. In dieser Richtung soll künftig noch mehr entstehen. Das eigene Risikoprofil soll dabei allerdings nicht verändert werden, wie sogleich betont wird. Mit mehr Risiko käme schließlich sogleich der Vorwurf auf, die Bank werde übermütig wie in alten Zeiten.

Potenzial sieht die hinter der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zweitgrößte deutsche Landesbank auch im Bereich des Green Investing – etwa bei der Finanzierung von Projekten zum Klimaschutz und der Emission grüner Schuldscheine und Unternehmensanleihen. Einziges Problem dabei: Dieses Modethema haben mittlerweile alle Häuser entdeckt, der Konkurrenzkampf ist somit entsprechend groß.

Einen entscheidenden Schritt bei der Rückkehr zu einer „normalen“ Bank hat die BayernLB schon im Sommer gemacht. Die letzte Rate von einer Milliarde Euro überwies sie an den Freistaat Bayern zurück. Der hatte vor neun Jahren die Bank gestützt und so vor dem möglichen Zusammenbruch bewahrt. Deswegen kann die BayernLB jetzt auch wieder internationaler auftreten und ihre Pläne im Ausland forcieren. „Die Deutschland-Lastigkeit nimmt damit ab“, so Wiegelmann.

KONTEXT

Welche Banken das größte Privatvermögen verwalten

Platz 16

Deutsche Bank, Deutschland

Verwaltetes Privatvermögen: 227 Milliarden Dollar

Platz 10

BNP Paribas, Frankreich

Verwaltetes Privatvermögen: 361 Milliarden Dollar

Platz 9

Goldman Sachs, USA

Verwaltetes Privatvermögen: 413 Milliarden Dollar

Platz 8

JP Morgan, USA

Veraltetes Privatvermögen: 435 Milliarden Dollar

Platz 7

Citi, USA

Verwaltetes Privatvermögen: 452 Milliarden Dollar

Platz 6

Credit Suisse, Schweiz

Verwaltetes Kundenvermögen: 719 Milliarden Dollar

Platz 5

Royal Bank of Canada, Kanada

Verwaltetes Kundenvermögen: 791 Milliarden Dollar

Platz 4

Wells Fargo, USA

Verwaltetes Kundenvermögen: 922 Milliarden Dollar

Platz 3

Morgan Stanley, USA

Verwaltetes Kundenvermögen: 1,95 Billionen Dollar

Platz 2

Bank of America, USA

Verwaltetes Kundenvermögen: 1,97 Billionen Dollar

Platz 1

UBS, Schweiz

Verwaltetes Kundenvermögen: 2,1 Billionen Dollar