Mehr als hundert Klagen gegen Nobelpreisträger Yunus in Bangladesch

Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus

Der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus aus Bangladesch sieht sich mit mehr als hundert Klagen von verärgerten Mitarbeitern der Telekom-Tochter der von ihm gegründeten Grameen Bank für Mikrokredite konfrontiert. Sie werfen Yunus und anderen Managern der Grameen Telecom vor, ihnen eine Gewinnbeteiligung verwehrt zu haben, wie der Anwalt der Kläger am Donnerstag sagte. Yunus bekam für seine Mikrokredit-Idee 2006 den Nobelpreis.

Die Grameen Telecom sei gesetzlich verpflichtet, fünf Prozent des Gewinns des Unternehmens mit den Angestellten zu teilen, sagte der Rechtsanwalt Jafrul Hasan Sharif der Nachrichtenagentur AFP. Das habe das Unternehmen jedoch seit zehn Jahren nicht getan. Ein Sprecher von Yunus wollte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern.

Yunus hatte in den vergangenen Jahren immer wieder rechtliche Problemen. Erst im Januar wurde er nach einem Haftbefehl von einem Arbeitsgericht auf Kaution freigelassen, nachdem er in einem anderen Fall nicht zu einer Anhörung erschienen war.

Der 79-jährige Wirtschaftswissenschaftler Yunus gründete in den 80er Jahren die Grameen Bank, die Mikrokredite an die ärmsten Menschen in Bangladesch vergibt. Für diese Idee wurde er 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. 2011 trat er von seinem Posten als Chef der Bank zurück.

Yunus' Anhängern zufolge soll die Premierministerin Bangladeschs, Scheich Hasina, hinter seinem Rücktritt stecken. Hasina beschuldigte Yunus unter anderem, den Armen das "Blut auszusaugen", da seine Bank angeblich Zinsen in Höhe von rund 20 Prozent verlangt. Die Regierung in Bangladesch hat seit Yunus' Rücktritt ihren Einfluss auf die Führung der Bank gestärkt.