Mehr Deutsche in türkischer Haft als bislang bekannt - Neun Menschen festgesetzt

In der Türkei sitzen in Folge des gescheiterten Putsches vor einem Jahr mehr Deutsche oder Deutsch-Türken im Gefängnis als bislang bekannt. Das Auswärtige Amt geht inzwischen von neun statt von den bislang bekannten sechs Fällen aus, wie Ministeriumssprecher Martin Schäfer am Freitag in Berlin sagte. In einem der neuen Fälle sei die Staatsangehörigkeit noch nicht ganz geklärt.

"Die Lage ist eher schlechter geworden im Laufe der letzten beiden Wochen als besser", sagte Schäfer. Er versicherte zugleich: "Wir bemühen uns mit allem Nachdruck darum, die konsularische Betreuung sicherzustellen." Zu den bekanntesten dieser Inhaftierten zählen der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel, der Mitte Februar festgesetzt wurde, und die Journalistin Mesale Tolu.

Bei den drei neuen Fällen handelt es sich den Angaben Schäfers zufolge um einen Deutsch-Türken, der seit Ende Mai in Haft ist. Ein Antrag auf Haftbesuch von deutscher Seite sei abgelehnt worden. Hinzu komme eine deutsche - und mutmaßlich auch türkische - Staatsangehörige, die seit der zweiten Juni-Woche in Haft sei. Auch hier werde versucht, Zugang zu der Betroffenen zu bekommen.

Der dritte Fall sei ein Deutscher, der vor wenigen Tagen in Istanbul festgenommen worden sein soll. Die Informationen zu allen drei Fällen seien neu - und zum Teil unbestätigt, sagte Schäfer. Die Informationen zu den Festnahmen hätten die deutschen Behörden teilweise auf informellen Wegen erreicht. "Wir gehen dem mit Hochdruck nach, weil uns das Schicksal dieser Menschen am Herzen liegt", fügte der Sprecher hinzu.

Die Fälle Yücel und Tolu, aber auch die anderen Inhaftierungen haben das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland zusätzlich belastet.