Mehr als 500 Tote bei Protesten im Iran

Seit mehreren Monaten protestieren Menschen gegen den repressiven Kurs der Regierung sowie das islamischen Herrschaftssystem. Eine Menschenrechtsorganisation zieht nun eine traurige Zwischenbilanz.

Seit Monaten gehen im Iran die Demonstranten auf die Straße. (Bild: dpa)
Seit Monaten gehen im Iran die Demonstranten auf die Straße. (Bild: dpa)

Teheran/New York - Bei den seit vier Monaten andauernden systemkritischen Protesten im Iran sind nach Recherchen von Menschenrechtlern mindestens 522 Menschen getötet worden. Unter den Toten seien auch 70 Minderjährige und 68 Polizei- und Sicherheitskräfte, berichtete die Organisation Human Rights Activists News Agency (HRANA) mit Sitz in den USA.

110 Angeklagten droht die Todesstrafe

Fast 20.000 Menschen seien zudem festgenommen worden, 110 von ihnen mit Anklagen, die laut islamischen Gesetzen zu einem Todesurteil führen könnten. Vier Demonstranten wurden bereits hingerichtet. Die Proteste erfassten seit ihrem Beginn Mitte September mehr als 160 Städte im Land, so der HRANA Bericht.

Der Iran selbst hat bislang keine Angaben zu den Toten und Festnahmen gemacht und die HRANA Berichte diesbezüglich bislang weder bestätigt noch dementiert.

Auslöser der Proteste im Iran war der Tod der 22 Jahre alten iranischen Kurdin Mahsa Amini. Die Sittenpolizei hatte sie festgenommen, weil sie die Zwangsvorschriften für das Tragen eines Kopftuchs nicht eingehalten haben soll. Die Frau starb am 16. September in Polizeigewahrsam. Seit ihrem Tod demonstrieren landesweit Tausende gegen den repressiven Kurs der Regierung sowie das islamischen Herrschaftssystem.

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