Mehr als 3200 Fuhrunternehmen fordern Schadenersatz von Lkw-Kartell

Zugmaschinen auf einem Parkplatz

Nach der Deutschen Bahn und der Bundeswehr fordern nun auch mehrere tausend meist kleine und mittelständische Unternehmen Schadenersatz vom sogenannten Lkw-Kartell. Insgesamt dürfte es dabei um mindestens 500 Millionen Euro gehen wie der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) und der Rechtsdienstleister Financialright Claims am Mittwoch mitteilten. Inklusive Zinsen sei den Fuhrunternehmen und Spediteuren vermutlich sogar ein Schaden von mehr als einer Milliarde Euro entstanden.

Eine Klage wurde demnach bereits am Freitag vor dem Landgericht München I eingereicht - auch um eine mögliche Verjährung zu verhindern. Ansprüche für Lkw, die zwischen 1997 und 2002 erworben wurden, könnten Ende 2017 verjähren, erklärten BGL und Financialright Claims zur Begründung. Die Klage umfasst demnach mehr als 3200 Unternehmen, die seit Beginn des Kartells im Jahre 1997 insgesamt knapp 85.000 Lkw erworben oder geleast haben.

"Wir wünschen uns, dass die Hersteller für die von ihnen verursachten Schäden die Verantwortung übernehmen", erklärte BGL-Hauptgeschäftsführer Dirk Engelhardt. Die Branche sei angesichts herausfordernder Zeiten auf eine "vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Herstellern angewiesen". Die Übernahme von Verantwortung für zurückliegende Kartellverstöße sei "sehr wichtig, um die Basis für zukünftige Geschäftsbeziehungen neu zu schaffen".

Die gerichtliche Aufarbeitung des Lkw-Kartells sei "eines der größten bekannten Klageverfahren", erklärte Financialright-Geschäftsführer Sven Bode. Die Hersteller hätten darauf gesetzt, dass die mittelständisch geprägten Lkw-Käufer ihre Ansprüche aus Sorge vor hohen Verfahrenskosten verfallen lassen würden. "Wir sind froh, dass es dazu nicht kommen wird, sondern die Betroffenen ihr Recht ohne Kostenrisiken einfordern können", erklärte Bode.

In der vergangenen Woche hatte bereits die Bahn mitgeteilt, dass sie gemeinsam mit der Bundeswehr und über 40 Firmen Klage gegen die am Lkw-Kartell beteiligten Unternehmen eingereicht habe. Durch illegale Preisabsprachen der Lkw-Hersteller sei ein "enormer Schaden" entstanden.

Das Lkw-Kartell war 2011 aufgeflogen. Die Hersteller Daimler, MAN, Volvo/Renault sowie Iveco und DAF hatten jahrelang Preise untereinander abgesprochen und Mehrkosten im Zusammenhang mit der Einhaltung strengerer Emissionsvorschriften in abgestimmter Form an ihre Kunden weitergegeben. Die EU-Kommission brummte vier Herstellern im Sommer 2016 Milliardenstrafen auf. Die VW-Tochter MAN blieb in dem Wettbewerbsverfahren als Kronzeuge verschont.