Mehr als 30 Flüchtlinge vor Libyens Küste ertrunken

Vor der Küste Libyens sind erneut zahlreiche Bootsflüchtlinge ertrunken. Wie die libysche Marine mitteilte, wurden am Samstag an Bord eines Bootes 31 Leichen gefunden. 60 Flüchtlinge an Bord überlebten demnach. Von einem weiteren Boot wurden 140 Menschen gerettet

Vor der Küste Libyens sind erneut zahlreiche Bootsflüchtlinge ertrunken. Wie die libysche Marine mitteilte, wurden am Samstag an Bord eines Bootes 31 Leichen gefunden. 60 Flüchtlinge an Bord überlebten demnach. Von einem weiteren in Seenot geratenen Boot konnten demnach 140 Menschen lebend gerettet werden. Die libysche Küstenwache entschuldigte sich unterdessen für ein riskantes Seemanöver in unmittelbarer Nähe der deutschen Fregatte "Mecklenburg Vorpommern" Anfang November.

Der libysche Marinesprecher Ajub Kassem sagte der Nachrichtenagentur AFP, unter den Toten des Flüchtlingsbootes seien 18 Frauen und drei Kinder. 40 Menschen würden zudem noch vermisst. Die Geretteten stammten den Angaben zufolge aus Somalia, Ghana, Äthiopien, Nigeria und Pakistan.

Die französische Nichtregierungsorganisation SOS Méditerranée erklärte am Samstagabend, mehr als 400 Menschen von einem beschädigten Holzboot in internationalen Gewässern in weiterer Entfernung von der libyschen Küste gerettet zu haben. Laut italienischer Küstenwache waren am Samstagabend zudem weitere Rettungseinsätze im Gange. Der italienischen Küstenwache zufolge wurden allen am Donnerstag und Freitag 1500 Menschen aus Seenot gerettet.

Zwar ist die Zahl der Bootsflüchtlinge auf der Mittelmeerroute insgesamt rückläufig, derzeit begünstigten laut libyscher Küstenwache aber die Wetterbedingungen die Arbeit der Schlepper.

Nach jüngsten UN-Angaben ging die Zahl der Flüchtlinge, die über Libyen nach Europa kamen, in den vergangenen Monaten deutlich zurück. Demnach sank sie von 11.500 im Monat Juli auf 6.300 im September. Insgesamt zählte die UNO von Juli bis September in der EU 21.700 Neuankömmlinge, die von Libyen aus die gefährliche Reise über das Mittelmeer angetreten hatten.

Libyen ist Transitland für Flüchtlinge hauptsächlich aus afrikanischen Ländern, die über das Mittelmeer in die EU gelangen wollen. Sie nehmen den strapaziösen und riskanten Weg durch die libysche Wüste auf sich, um von Schleusern über die Mittelmeerroute nach Italien gebracht zu werden. In den meisten Fällen werden vor der Küste gerettete Flüchtlinge anschließend in libysche Auffanglager gebracht, wo sie unter oftmals unmenschlichen Zuständen auf ihre Rückführung warten müssen.

Zuletzt sorgte ein CNN-Video von einer mutmaßlichen Sklavenauktion von schwarzafrikanischen Migranten in Libyen für Empörung. Die international unterstützte Einheitsregierung in Tripolis kündigte nach der Verbreitung der Aufnahmen die Einrichtung einer Ermittlungskommission an und versprach, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Gleichzeitig aber wies sie daraufhin, dass ihr seit dem Sturz von Machthaber Muammar Gaddafi im Chaos versinkendes Land "Opfer der illegalen Immigration" sei und nicht ihre "Quelle".

Bereits vor der Veröffentlichung des Videos hatte UN-Menschenrechtskommissar Zeid Ra'ad al-Hussein die Zustände in den libyschen Auffanglagern angeprangert und die Zusammenarbeit der EU mit der Küstenwache als "unmenschlich" kritisiert.

In mehreren französischen Städten, darunter Lyon und Marseille, demonstrierten am Samstag hunderte Menschen gegen den mutmaßlichen Sklavenhandel in Libyen. In Brüssel kam es am Rande einer Demonstration gegen die mutmaßliche Versklavung in Libyen zu Ausschreitungen. Jugendliche verwüsteten Geschäfte und griffen die Polizei an. 50 Menschen wurden festgenommen.

Unterdessen entschuldigte sich die libysche Küstenwache für ein gefährliches und aggressives Seemanöver in unmittelbarer Nähe der deutschen Fregatte "Mecklenburg Vorpommern" im Mittelmeer. Wie der "Spiegel" berichtete, räumte Libyen gegenüber EU-Diplomaten und der EU-Mittelmeer-Mission "Sophia" Fehler der eigenen Seeleute ein. Der Vorfall ereignete sich demnach bereits am 1. November bei einer Mission der "Mecklenburg Vorpommern" zur Flüchtlingsrettung vor der libyschen Küste.

Bei dem Vorfall war den Angaben zufolge ein libysches Patrouillen-Boot auf die Soldaten zugerast, zudem wurden offenbar Schüsse ins Wasser abgegeben. Daraufhin habe sich der deutsche Kapitän beim EU-Kommando über das Verhalten der Libyer beschwert, das als bewusste Provokation gewertet worden sei.