Mehr als 1000 Infizierte bei Musikfestival in Holland, doch deutscher Konzertveranstalter will wieder volle Hallen

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Bei einem Musikfestival in den Niederlanden haben sich zuletzt mehr als 1000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert.
Bei einem Musikfestival in den Niederlanden haben sich zuletzt mehr als 1000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert.

Die Konzert- und Veranstaltungsbranche hat es während der Corona-Pandemie hart getroffen, seit über einem Jahr konnten die Beschäftigten ihrer Arbeit in Deutschland praktisch nicht mehr nachgehen – von einigen kleinen Veranstaltungen im Freien abgesehen. Viele wechselten die Branche. Impfungen und die Erfahrungen aus dem Sommer 2020 sollten endlich wieder für Licht am Ende des Tunnels aufzeigen. Doch die Nachricht von Tausenden Infizierten bei einem Musikfestival in Utrecht lassen die Hoffnung schwinden: Rund 1000 von insgesamt 20.000 Besucher haben sich dort mit dem Coronavirus infiziert. Währenddessen fordert ein deutscher Konzertveranstalter ab Herbst wieder volle Hallen in Deutschland.

Was war in den Niederlanden passiert? Das Musikfestival "Verknipt" in Utrecht sollte eine vorbildlich organisierte Großveranstaltung in Coronazeiten werden: Auf 45 Seiten legten die Organisatoren dar, wie sie die Besucher am ersten Juli-Wochenende vor dem Virus schützen wollen. Mit Masken, Tests, Abständen, der Aufnahme von Kontaktdaten. Hohe Zäune sollten die Zuhörer vor nicht gemeldeten Eindringlingen bewahren, der Einlass aufs Festivalgelände wurde zeitlich versetzt geregelt, um Gedränge zu verhindern. Doch am ersten Tag infizierten sich mindestens 448 Besucher, und am zweiten Tag weitere 516, wie die Nachrichtenagentur ANP berichtete. Nach Angaben der niederländischen Gesundheitsbehörden könnten die Zahlen infizierter Konzertbesucher sogar noch steigen. Die Organisatoren reagierten geschockt und betonten, dass sie sich an alle Auflagen gehalten hätten. Zuerst hatte der "Spiegel" darüber berichtet.

Deutscher Konzertveranstalter will raus aus dem Corona-Loch

In Deutschland will man es besser machen. Nach Ansicht des Konzertveranstalters Semmel Concerts aus Bayreuth sollten Künstler ab September wieder in vollen Hallen und Konzertsälen auftreten können. Geimpfte und Genesene sollten Veranstaltungen besuchen dürfen, ohne Abstand einzuhalten, sagte Geschäftsführer Dieter Semmelmann.

Semmel Concerts mit Hauptsitz in Bayreuth arbeitet mit Prominenten wie Elton John, Sarah Connor oder Roland Kaiser. Was dem Veranstalter fehlt, sind verlässliche Perspektiven, um die Live-Auftritte gut vorbereiten zu können. Bis Ende Juli brauche die Branche eine Aussage, unter welchen Bedingungen Veranstaltungen ab dem 1. September möglich seien, fordert er. Schließlich benötige man vor jeder Veranstaltung einen Vorlauf von mindestens vier bis sechs Wochen.

"Wenn die Politik Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, nicht zulassen möchten, dann würden wir das für eine begrenzte Zeit mittragen", erklärte der Veranstalter. Man dürfe die Branche nicht weiter auf null fahren, weil sich ein Teil der Bevölkerung nicht impfen lassen wolle. Menschen und Unternehmen müssten wieder eigenverantwortlich handeln können.

Die Niederlande hatten zunächst zum 26. Juni fast alle Corona-Maßnahmen aufgehoben und auch Großveranstaltungen erlaubt, sofern Besucher über ein negatives Testergebnis oder einen Impfnachweis verfügten. Nach einem explosionsartigen Anstieg der Infektionen wurden einige Lockerungen wieder aufgehoben. Zuletzt infizierten sich rund 8000 Menschen innerhalb von 24 Stunden. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei über 300 Infektionen auf 100.000 Einwohner. Für den großen Anstieg der Infektionen sind nach Angaben der Gesundheitsbehörden vor allem Jugendliche und junge Erwachsene verantwortlich. Infektionsherde waren vor allem Festivals, Diskotheken und Gaststätten.

cri/dpa

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