Nach Brutalo-Tritt: Marseille suspendiert Evra

Patrice Evra holte zu einem Karatetritt in Richtung eines Fans aus

Der ehemalige französische Nationalspieler Patrice Evra ist knapp 24 Stunden nach seiner Kung-Fu-Attacke gegen einen Fan von seinem Verein Olympique Marseille mit sofortiger Wirkung suspendiert worden.

Dies teilten die Franzosen in einer Mitteilung am Freitagabend mit.

In einem persönlichen Gespräch mit der Vereinsspitze sollen die Geschehnisse noch einmal aufgearbeitet und über die Bestrafung für den Außenverteidiger entschieden werden. Auch eine Entlassung ist weiterhin möglich.

Bereits am Nachmittag hatte die Europäische Fußball-Union UEFA Evra für mindestens ein Spiel gesperrt.

Die UEFA teilte mit, dass sie "wegen gewalttätigen Verhaltens" ein Disziplinarverfahren gegen den Linksverteidiger eingeleitet habe. Die Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer wird in ihrer nächsten Sitzung am 10. November über weitere Sanktionen entscheiden.

Längere Sperre droht

Damit droht dem Franzosen wohl eine harte Strafe. Nach Einschätzung der französischen Zeitung L'Equipe könnte er längere Zeit gesperrt werden.

Zum Vergleich: Landsmann Eric Cantona, der einst im Trikot von Manchester United mit dem Bein voran in einen Fan hineingesprungen war, wurde seinerzeit für sieben Monate aus dem Verkehr gezogen.


Evra mit Brutalo-Tritt gegen Fan

Evra hatte vor dem Auswärtsspiel bei Vitoria Guimaraes in der Gruppenphase der Europa League zu einem Karatetritt auf Gesichtshöhe eines Fans angesetzt.

Zuvor war er während des Aufwärmens offenbar beleidigt worden. Laut dem L'Equipe-Journalisten Mathieu Gregoire hatten die Fans Evra 30 Minuten lang beschimpft und mit Songs beleidigt. Als Evra über die Bande hinter dem Tor sprang und eine Erklärung forderte, eskalierte die Situation.


Nach einem kurzen Gerangel, bei dem Evra einen Fan von sich stieß, wurde der erregte Marseille-Profi von seinen Teamkollegen wieder über die Bande zurück auf das Spielfeld gezerrt. 

Während einige Spieler versuchten, die Gemüter zu beruhigen, begab sich Evra ein weiteres Mal ins Getümmel. Der 36-Jährige holte aus und trat mit hohem Bein über die Bande hinweg in Richtung des Kopfes eines Anhängers. 


Trainer kritisiert Evra und Fan

Der Franzose wurde daraufhin von Mitspielern ein weiteres Mal weggezerrt, Schiedsrichter Tamas Bognar bedachte ihn wenig später mit einer Roten Karte. Die portugiesischen Ordner beendeten die Auseinandersetzung zwischen Spielern und Fans.

In der Europa League war nie zuvor ein Spieler vor dem Anpfiff des Platzes verwiesen worden.

Olympique reagierte umgehend und leitete eine interne Untersuchung gegen Evra ein. "Egal was passiert, ein professioneller Spieler muss trotz Provokationen und Beleidigungen seine Selbstbeherrschung aufrechterhalten, ganz egal wie ungerechtfertigt sie sein mögen", schrieb der Verein am Freitag in einer offiziellen Mitteilung.

"Patrice ist ein mehr als erfahrener Spieler und darf natürlich nicht auf Beleidigungen reagieren, so niedrig sie auch sind und so unglaublich sie auch sind, weil sie von einem unserer Unterstützer kommen", sagte Olympique-Trainer Rudi Garcia bei BeIN Sports.

Doch auch das Opfer Evras kritisierte der 53-Jährige scharf: "Er ist kein OM-Fan. Du kannst deine eigenen Spieler nicht beleidigen, du musst hinter allen stehen."


Laut der L'Equipe muss Evra neben der drohenden Sperre durch die UEFA auch mit vereinsinternen Sanktionen rechnen. Von einer Suspendierung auf Zeit oder sogar von einer direkten Entlassung ist die Rede.