Medizinischer Durchbruch: Ein Medikament hat Patienten erstmals von Darmkrebs befreit

Ein Medikament soll Patienten von Darmkrebs befreien.  - Copyright: athima tongloom via Getty Images
Ein Medikament soll Patienten von Darmkrebs befreien. - Copyright: athima tongloom via Getty Images

Ein Medikament gegen Gebärmutterkörperkrebs hat einer neuen Studie zufolge auch mehrere Patienten von Darmkrebs befreit. Die Nebenwirkungen sind den zuständigen Onkologen nach nur gering gewesen. Es sei jedoch noch zu früh, von einer vollständigen Heilung auszugehen, heißt es weiter. Das Medikament namens Dostarlimab wurde in einer kleinen Studie am Memorial Sloan Kettering Cancer Center (MSKCC) in New York sechs Monate lang alle drei Wochen an zwölf Personen mit einer bestimmten Art von Darmkrebs verabreicht.

Nach dem Behandlungsverlauf konnte der Krebs bei keiner Person nachgewiesen werden, sagten die Forscher vom MSKCC in einer Präsentation auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology am Sonntag. Die Teilnehmer benötigten im Durchschnitt bis zu ein Jahr keine andere Behandlung, so die Forscher.

Alan Venook, ein Darmkrebsspezialist an der University of California, der nicht an der Studie beteiligt war, sagte der "New York Times", dass eine vollständige Remission bei jedem einzelnen Patienten ein neuer Durchbruch sei. Andrea Cercek, Onkologin am MSKCC und Co-Autorin der Studie, sagte, es seien „viele Freudentränen“ bei den Studienteilnehmern geflossen, als sie herausgefunden hätten, dass keine weitere Behandlung erforderlich sei.

Anzahl der Darmkrebs-Patienten nimmt zu

Die Standardbehandlung umfasst eine zermürbende Kombination aus Operation, mehreren Chemotherapeutika und Bestrahlung, um Krebszellen zu zerstören – oft mit unangenehmen, dauerhaften Nebenwirkungen wie Nervenproblemen, Unfruchtbarkeit sowie Darm- und Sexualstörungen. Cercek sagte in einer Pressemitteilung, dass die Auswirkungen der Standard-Krebsbehandlung auf die Lebensqualität der Menschen „erheblich seien, insbesondere in den Fällen, in denen die Standardbehandlung das gebärfähige Potenzial beeinträchtigen würde“.

„Da die Inzidenz von Darmkrebs bei jungen Erwachsenen zunimmt, kann dieser Ansatz große Auswirkungen haben“, sagte Cercek über das Potenzial von Dostarlimab. Laut MSKCC werden sich die Fälle von Darmkrebs bei jüngeren Erwachsenen bis 2030 voraussichtlich verdoppeln.

Dostarlimab wirkt, indem es dem Immunsystem hilft, Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. Das Medikament wird bereits bei Patientinnen mit Gebärmutterkörperkrebs eingesetzt. Es war zuvor nicht klar, ob das Medikament auch bei Darmkrebs-Patienten anschlagen würde. Die Teilnehmer an der Studie hatten eine Darmkrebsart, die als „Mismatch Repair-Defizienz“ bezeichnet wird. Etwa fünf bis zehn Prozent der Menschen mit Darmkrebs haben diese Art von Krebs, bei der die Gene, die für die Korrektur von Fehlern während der Zellreplikation verantwortlich sind, fehlerhaft sind. Ob das Medikament auch bei anderen Darmkrebsarten wirkt, ist in der Studie nicht erforscht worden.

Medikament aber keine sichere Heilung

Hanna Sanoff, Onkologin am Lineberger Comprehensive Cancer Center an der University of North Carolina, schrieb in einem Leitartikel des "New England Journal", dass es sich um eine „überzeugende“ Studie handele. Sanoff warnte jedoch davor, dass der Krebs nach der Behandlung nicht komplett geheilt sei. „Bei 20 bis 30 Prozent dieser Patienten kommt es zu einem erneuten Krebswachstum, wenn der Krebs nicht operativ behandelt wird“, so die Onkologin.

Sanoff fügte hinzu, dass weitere Tests nötig seien, um sicherzustellen, dass ein erneutes Heranwachsen des Tumors nicht übersehen werde. Die Studie sei außerdem zu klein gewesen, um seltene Nebenwirkungen auszuschließen.

Mögliche Nebenwirkungen des Medikaments sind immunvermittelte Reaktionen wie Entzündungen der Lunge. Zu den häufigsten Nebenwirkungen bei Patientinnen, die das Medikament gegen Gebärmutterkörperkrebs eingenommen haben, gehören: Müdigkeit, Übelkeit, Durchfall, Anämie und Verstopfung. Doch „die Ergebnisse geben Anlass zu großem Optimismus“, so Sanoff. Noch könne das Medikament jedoch nicht sicher als alternative Behandlungsmethode angeboten werden, schrieb sie weiter.

Dieser Artikel wurde von Klemens Handke aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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