Medikament Remdesivir erhält in den USA Sonderzulassung für Coronavirus

Remdesivir

Das antivirale Mittel Remdesivir hat in den USA eine Sonderzulassung für die Behandlung von Coronavirus-Patienten erhalten. Die Arzneimittelbehörde FDA stellte am Freitag eine Notfall-Genehmigung für den Einsatz des Wirkstoffs gegen die Lungenkrankheit Covid-19 aus, wie US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus ankündigte. Zuvor hatte eine klinische Studie laut vorläufigen Ergebnissen gezeigt, dass Remdesivir die Genesungsdauer von Corona-Patienten verkürzt.

Laut FDA darf das vom US-Pharmakonzern Gilead hergestellte Mittel fortan bei Erwachsenen und Kindern eingesetzt werden, die im Krankenhaus wegen einer schweren Covid-19-Erkrankung behandelt werden. Von einer schweren Erkrankung spricht die FDA bei einem geringen Sauerstoffgehalt im Blut und der Notwendigkeit einer Sauerstofftherapie oder eines Beatmungsgeräts.

Die Behörde betonte, es gebe bislang nur "begrenzte Informationen" über Sicherheit und Wirksamkeit des Medikaments bei der Behandlung der Lungenerkrankung, die durch das neuartige Coronavirus ausgelöst wird. Sie verwies aber auf die klinische Studie zur verkürzten Behandlungsdauer von Covid-Patienten.

"Das ist wirklich eine sehr vielversprechende Situation", sagte Trump. Die USA sind weltweit das Land mit den meisten Todesfällen: Am Freitag stieg die Zahl um 1883 auf mehr als 64.700, wie die Johns Hopkins Universität in Baltimore mitteilte. An den drei Tagen zuvor bewegte sich die Zahl der Todesfälle zwischen 2000 und 2500. Die Zahl der Covid-19-Patienten beläuft sich auf mehr als 1,1 Millionen, knapp 165.000 Menschen gelten als geheilt.

Zentrum der Epidemie in den USA bleibt die Stadt New York. Dort werden weiterhin täglich knapp tausend neue Krankenhauspatienten gezählt, auch wenn die Zahl der Todesopfer rückläufig ist.

Gilead-Chef Daniel O'Day sagte im Weißen Haus, sein Unternehmen fühle sich "geehrt durch diesen ersten Schritt für Krankenhauspatienten". Das Pharmaunternehmen hatte zuvor angekündigt, 1,5 Millionen Dosen kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das entspricht 140.000 Behandlungen über zehn Tage.

Das Nationale Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) hatte am Mittwoch vorläufige Ergebnisse zu der Studie mitgeteilt, an der 1063 Covid-19-Patienten in den USA, in Europa und Asien teilgenommen hatten. Demnach verkürzte das ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelte Remdesivir die Genesungsdauer der Patienten um rund 30 Prozent. Die mit Remdesivir behandelten Patienten benötigten den Angaben zufolge im Mittelwert elf Tage bis zur Genesung. Patienten, die ein Placebo erhielten, benötigten dagegen 15 Tage.

Weniger eindeutig waren die Ergebnisse allerdings in der Frage, ob das Mittel auch die Sterblichkeit von Patienten senken kann. Bei Patienten, die Remdesivir erhielten, lag die Sterblichkeit bei acht Prozent. In der Kontrollgruppe betrug die Sterblichkeit 11,6 Prozent. Der Unterschied ist zu gering, um ihn eindeutig dem Medikament zuzuschreiben.

NIAID-Chef Anthony Fauci sprach von einem "klaren, signifikanten, positiven Effekt in statistischer Hinsicht", trotzdem seien die Ergebnisse "bescheiden". Auch wenn es sich nicht um ein Wundermittel handele, sei die Wirkung jedoch nachgewiesen worden.

Remdesivir, das gespritzt wird, dringt in Viren ein und verhindert damit ihre Vermehrung. Offiziell als Medikament zugelassen ist das Mittel bislang nicht. Die Sondergenehmigung der US-Arzneimittelbehörde erlaubt aber vorläufig den Einsatz im Kampf gegen das Coronavirus.

Im Kampf gegen die Pandemie werden mehrere Medikamente getestet, unter anderem die Malaria-Mittel Hydroxychloroquin und Chloroquin. Außerdem wird mit Hochdruck an Impfstoffen gearbeitet.