Medien: US-Justizministerium gegen übernahme von Time Warner durch AT&T

Das US-Justizministerium will die milliardenschwere Übernahme des Medienkonzerns Time Warner durch den Telekomriesen AT&T mit einer Klage verhindern. Dies geht aus Gerichtunterlagen hervor (“Reuters”). Demnach befürchten die Behörden höhere Kosten für Konkurrenten und Kunden, dazu Verzögerungen bei der Entwicklung von Online-Angeboten.

Das US-Justizministerium klagt gegen die Übernahme von Time Warner durch AT&T. twxcorp twxcorp https://t.co/Bfu9ueNUsV pic.twitter.com/bP26EXRFlA— DW | Wirtschaft (@dw_wirtschaft) 21 novembre 2017

AT&T will den Medienkonzern Time Warner – Heimat auch des Kabelsenders HBO und des Warner Bros Filmstudios – für 85,4 Milliarden Dollar (73 Milliarden Euro) kaufen. Der Konzern will sich damit unabhängiger vom Mobilfunkgeschäft machen, wo kleinere Rivalen wie die Telekom-Tochter T-Mobile US und Sprint Druck ausüben. Im Unterhaltungssektor liegt das Augenmerk auf der Konkurrenz durch die Online-Angebote von Netflix und Amazon Prime Video.

Präsident Donald Trump hatte den zu Time Warner gehörenden Nachrichtensender CNN wiederholt kritisiert, die geplante Fusion bereits während des Wahlkampfs. Auch als Präsident griff er CNN an, dem er die Verbreitung von “fake news” – Falschnachrichten – vorwirft.

Es ist das erste Mal, dass die aktuelle US-Regierung sich einer größeren Übernahme in den Weg stellt.

INVESTIGATIVE REPORTING IS FAKE??BUT ALL TRUMP AND TEAM LIES ARE REALTrump berates CNN reporter: 'You are fake news' https://t.co/ur2Rne7eYx— dmlew (@DMAE2) 11 février 2017

“CASH COW”

In den Unterlagen der Regierung wird aus Dokumenten von AT&T und seiner Satellitensparte DirecTV zitiert, in denen das traditionelle Pay-TV-Modell als “cash cow” und “goldene Gans” bezeichnet werden. Dies deute auf die Gefahr von Preiserhöhungen für die Kunden hin. Zudem könnten Konkurrenten gezwungen werden, “Hunderte Millionen Dollar mehr pro Jahr” zu bezahlen. Das Justizministerium hatte AT&T bereits empfohlen, im Rahmen des Deals das CNN-Mutterunternehmen oder DirecTV zu verkaufen. AT&T lehnte dies ab.

Der Jurist Henry Su von der Anwaltskanzlei Constantine Cannon, London, sprach von nachvollziehbaren Bedenken der Regierung, die bekannten Mustern folgten. Auch Verbraucherschutzgruppen und kleinere TV-Sender hatten die Fusionspläne kritisiert.

AT&T WILL GEGEN DEN EINSPRUCH VOR GERICHT ZIEHEN

AT&T-Justiziar David McAtee kritisierte das Vorgehen und erklärte, es werde vor einem Bundesgericht scheitern. Es gebe keinen legitimen Grund dafür, die Übernahme anders zu behandeln als andere vertikale Fusionen. AT&T will nach dem Einspruch der US-Regierung die geplante milliardenschwere Übernahme des Medienkonzerns Time Warner vor Gericht durchboxen. AT&Ts Prozessanwalt Dan Petrocelli sagte dem Sender CNBC, dass das Fusionsvorhaben keine Bedrohung für die Verbraucher darstelle. Die Klage des Justizministeriums sei deshalb “töricht”. “Wir werden so bald wie möglich vor Gericht gehen”, kündigte Petrocelli an.

su mit Reuters