Empörung über Festnahme des Philanthropen Osman Kavala in der Türkei

Die Festnahme des bekannten Philanthropen und Aktivisten Osman Kavala hat in der Türkei für Empörung gesorgt. Der Vorsitzende der Nichtregierungsorganisation Anadolu Kültür wurde am Mittwoch am Istanbuler Flughafen bei seiner Rückkehr aus der südtürkischen Stadt Gaziantep festgenommen worden, wie die Nachrichtenagentur Dogan am Donnerstag berichtete. Im In- und Ausland gab es Kritik an der Festnahme.

Laut Dogan war Kavala in Gaziantep, um über ein Projekt mit dem deutschen Goethe-Institut zu sprechen. Sein Anwalt Ferat Cagil sagte der Nachrichtenagentur AFP, Kavala sei unmittelbar nach der Landung für sieben Tage in Polizeigewahrsam genommen worden. Der Fall sei als "vertraulich" eingestuft, so dass bisher unklar sei, was Kavala vorgeworfen werde.

Kavala setzt sich seit Jahren für eine Verständigung mit Armenien ein. Die Türkei unterhält wegen des Streits um die Bewertung der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich bis heute keine Beziehungen mit Eriwan. Armenien betrachtet die Ermordung hunderttausender armenischer Christen als Genozid, die Türkei lehnt diese Bezeichnung vehement ab.

Der Direktor des Zentrums für Regionalstudien in Eriwan, Richard Giragosian, bezeichnete Kavala als "langjährigen Partner bei unseren Bemühungen zur Normalisierung der Beziehungen mit der Türkei". Er habe wesentlich zur Restaurierung armenischer Kirchen und Denkmäler in der Türkei beigetragen, sagte er.

Kavalas Organisation engagiert sich auch für den Respekt und die Bewahrung der kulturellen Vielfalt in der Türkei sowie die Überwindung der Spannungen zwischen den verschiedenen Volksgruppen durch Kunst und Kultur. Der in Paris geborene Kavala leitet zudem seit dem Tod seines Vaters ein großes Familienunternehmen und ist Gründer des Iletisim-Verlags.

Das französische Außenministerium äußerte sich "besorgt" über die Festnahme und rief Ankara zum Respekt der Menschenrechte auf. Kavala sei einer der "wichtigsten und angesehensten Vertreter der türkischen Kulturszene und Zivilgesellschaft" und arbeite regelmäßig mit der französischen Botschaft zusammen. Paris werde seinen Fall genau verfolgen, sagte eine Sprecherin.

Menschenrechtler reagierten besorgt auf die Festnahme des renommierten Aktivisten. Es handele sich um den "jüngsten Angriff auf die Zivilgesellschaft in der Türkei", schrieb Andrew Gardner von Amnesty International auf Twitter. Präsident Recep Tayyip Erdogan steht seit langem wegen der Verfolgung von Regierungskritikern und Journalisten in der Kritik.

"Osman Kavala hat sich unermüdlich für Versöhnung, Dialog und die Herrschaft des Rechts in der Türkei eingesetzt", erklärte Emma Sinclair-Webb von Human Rigths Watch. Seine Festnahme sei "ein Wendepunkt in der Unterdrückung der Menschenrechtsbewegung" in der Türkei, erklärte Benjamin Abtan vom European Grassroots Antiracist Movement (EGAM).

Die Berichterstatterin des Europaparlaments zur Türkei, Kati Piri, nannte die Festnahme "sehr beunruhigend" und kündigte an, mit EU-Abgeordneten sich für seine sofortige Freilassung einzusetzen.

In der Türkei wurden seit dem gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 dutzende Journalisten und Aktivisten inhaftiert. Kommende Woche beginnt in Istanbul der Prozess gegen zehn türkische Menschenrechtler sowie den Schweden Ali Gharavi und den Deutschen Peter Steudtner, die Anfang Juli bei einem Workshop auf der Insel Büyükada bei Istanbul festgenommen worden waren.