Medien: Türkische Staatsanwaltschaft fordert 18 Jahre Haft für Deniz Yücel

Journalist Deniz Yücel

Die Istanbuler Staatsanwaltschaft hat laut Medienberichten bis zu 18 Jahre Haft für den "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel gefordert. Ein Gericht habe am Freitag die Anklageschrift angenommen und die Freilassung Yücels angeordnet, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu. Zuvor hatte die "Welt" unter Berufung auf Yücels Anwalt mitgeteilt, dass der deutsch-türkische Journalist freikomme. Eine Ausreisesperre liege nicht vor.

Laut Anadolu wirft die Staatsanwaltschaft Yücel "Volksverhetzung" und "Terrorpropaganda" vor. Yücel hatte sich vor einem Jahr der Polizei in Istanbul gestellt und war zwei Wochen später unter dem Vorwurf der "Propaganda für eine Terrororganisation" in U-Haft genommen worden. Seitdem befand er sich ohne Anklage in Haft. Die Bundesregierung drang auf seine Freilassung, doch beharrte die türkische Regierung auf der Unabhängigkeit der Justiz.

Zuletzt gab es intensive Gespräche von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) mit seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu über den Fall. Vor einem Besuch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag sagte Ministerpräsident Binali Yildirim, dass er hoffe, dass Yücel "in kurzer Zeit" freigelassen werde. Zugleich betonte er erneut, dass die Regierung keinen Einfluss auf die unabhängige Justiz nehmen könne.