Medien: Italien will Ein- und Ausreiseverbote für mehrere Regionen verhängen

Italien ist das am schlimmsten betroffene Land Europas

Italien will Medienberichten zufolge eine Quarantäne für Millionen Menschen in mehreren Regionen inklusive der Wirtschaftsmetropole Mailand und dem Touristenmagnet Venedig verhängen. In "den kommenden Stunden" solle ein Ein- und Ausreiseverbot unter anderem über die Lombardei mit ihrer Hauptstadt, dem Finanzzentrum Mailand, verhängt werden, berichteten die Nachrichtenagentur Ansa, die Zeitungen "Il Corriere della Sera" und "La Repubblica" und andere italienische Medien am Samstagabend.

Auch für einen Teil der Region Venetien mitsamt Venedig, den Norden der Emilia-Romagna und den Osten des Piemont sollen die Maßnahmen gelten, zitieren die Medien aus einem Regierungsentwurf. Die Quarantäne soll demnach bis zum 3. April dauern.

Allein in der Lombardei leben zehn Millionen Menschen, davon knapp 1,4 Millionen in Mailand. Inwiefern die dort ansässige italienische Börse von der Quarantäne betroffen sein wird, war zunächst unklar. In der Emilia-Romagna sind den Berichten zufolge unter anderem Städte wie Parma und Rimini von der Quarantäne betroffen.

Die Lombardei ist das wirtschaftliche und industrielle Herz Italiens. Mit 3420 nachgewiesenen Infektionen und 154 Todesfällen ist sie die am schwersten von der Coronavirus-Epidemie betroffene Region Italiens.

Der Chef der italienischen Zivilschutzbehörde, Angelo Borrelli, teilte am Samstag mit, dass die Lage in den Krankenhäusern in der Lombardei "gespannt" sei. Er rechne damit, dass die Region die Verlegung von Intensiv-Patienten in andere Regionen erbitten werde. Dies könnte den Quarantäne-Regeln zuwiderlaufen.

Der Regionalpräsident der Lombardei, Attilio Fontana, kritisierte Medienberichten zufolge, der Regierungsentwurf für die Quarantäne sei "chaotisch" und benötige "Klarstellungen". Den Medienberichten zufolge müssten in den Quarantänezonen alle Schulen, Sportstätten, Museen, Theater und Kulturzentren geschlossen bleiben. Besuche in Krankenhäusern und Seniorenheimen sollen eingeschränkt werden. Religiöse Zeremonien und selbst Beerdigungen würden in den Quarantänegebieten ausgesetzt.

Arbeitnehmer sollen den Berichten zufolge vorzugsweise von Zuhause aus arbeiten. Lokale und Geschäfte dürften nur ihren Betrieb fortsetzen, wenn ein Mindestabstand zwischen den einzelnen Gästen und Mitarbeitern von einem Meter eingehalten wird. Der Zugang zu Geschäften würde außerdem eingeschränkt, um Menschenaufläufe zu verhindern. In Mailand erledigten am Samstagabend viele Menschen Einkäufe, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Italien ist das am schwersten von der Epidemie betroffene Land Europas. Die Gesamtzahl der Menschen mit nachgewiesener Coronavirus-Infektion liegt nur in China und Südkorea höher.

Am Samstag teilte der italienische Zivilschutz mit, dass es mittlerweile 233 bestätigte Todesopfer und 5883 Infizierte gebe. Binnen 24 Stunden wurden somit weitere 36 Tote und 1247 Infektionen gemeldet.

Am Samstag begann die Regierung damit, Ärzte aus dem Ruhestand zu holen. Insgesamt sollen 20.000 neue Mitarbeiter für das Gesundheitssystem rekrutiert werden, vor allem Krankenschwestern und -pfleger. Zudem soll in den kommenden Tagen die Zahl der Betten in den Intensivstationen von 5000 auf 7500 erhöht werden. Daran arbeiteten die Behörden "Tag und Nacht", sagte Gesundheitsminister Roberto Speranza.