Sanders attackiert Biden im Rennen um Präsidentschaftskandidatur der Demokraten

Joe Biden (l.) und Bernie Sanders

Nach dem triumphalen Comeback des früheren US-Vizepräsidenten Joe Biden im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten ist sein Rivale Bernie Sanders in die Offensive gegangen. Er warf Biden am Mittwoch vor, "seit 40 Jahren" Kürzungen bei den Sozialausgaben zu verteidigen und von "großen Unternehmen und Milliardären" unterstützt zu werden. Sanders warb auch um die Unterstützung seiner Konkurrentin Elizabeth Warren, die sich nach ihrem miserablen Abschneiden am Super-Dienstag womöglich aus dem Rennen verabschiedet.

"Wir können mit alten Rezepten (US-Präsident Donald) Trump nicht besiegen", betonte Sanders, der stets eine "Revolution" anmahnt. Zugleich rief er zu einem fairen Wettkampf gegen Biden auf: "Ich mag Joe, Joe ist ein guter Typ und ich will nicht, dass diese Kampagne eskaliert", ergänzte der linksgerichtete Senator.

Sanders war fulminant bei den Vorwahlen der Demokraten gestartet, zeigte sich aber vom sogenannten Super-Dienstag mit Abstimmungen in 14 Bundesstaaten "enttäuscht". Er siegte lediglich in drei Bundesstaaten und galt in Kalifornien als Favorit.

Der selbsternannte "demokratische Sozialist" gab sich dennoch zuversichtlich und ging von einem "Kopf-an-Kopf"-Rennen zwischen ihm und Biden aus. "Ich habe allen Grund, zu glauben, das wir dieses Ding gewinnen werden", sagte er in seiner Heimatstadt Burlington vor Journalisten. "Ich glaube fest, dass wir die Kampagne sind, die Donald Trump besiegt." Im Sender MSNBC warnte er aber davor, Trump zu "unterschätzen".

Sanders versuchte, sich die Unterstützung der ebenfalls progressiven Kandidatin Elizabeth Warren zu sichern. Die Senatorin aus Massachusetts war am Super-Dienstag selbst in ihrem eigenen Bundesstaat nur auf den dritten Platz gekommen, siegreich war sie in keinem einzigen Bundesstaat.

Warren habe ihm in einem Gespräch gesagt, sie stelle ihre Kampagne nun auf den Prüfstand, sagte Sanders. "Sie wird ihre eigene Entscheidung zu ihrer Zeit treffen." Die "Washington Post" berichtete über Gespräche, dass die Lager der beiden linken Politiker über einen Zusammenschluss verhandelten, sollte sich Warren in naher Zukunft aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur zurückziehen.

Sanders siegte am sogenannten Super Tuesday, an dem es um rund ein Drittel der Delegierten für den Nominierungsparteitag im Juli ging, in seinem Heimatstaat Vermont, in Colorado und in Utah. Auch im wichtigen Bundesstaaten Kalifornien lag er nach Auszählung von 87 Prozent der Stimmen mit einem Vorsprung von neun Punkten vorn. Dort wurde zunächst aber noch kein Sieger offiziell ausgerufen.

Der frühere Vizepräsident Joe Biden siegte dagegen in zehn der 14 Bundesstaaten. Er gewann in Alabama, Arkansas, Massachusetts, Maine, Minnesota, North Carolina, Oklahoma, Tennessee, Texas und Virginia. Selbst Trump sprach daraufhin von einem "großartigen" und "unglaublichen" Comeback für Biden, der inzwischen von den einstigen Konkurrenten Pete Buttigieg, Amy Klobuchar und Michael Bloomberg unterstützt wird.

Biden bewirbt sich nach gescheiterten Versuchen in den Jahren 1988 und 2008 bereits zum dritten Mal um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Er gilt als moderat, während Sanders mit seinen linken Ideen vielen im Establishment der Partei als zu radikal erscheint.

Noch ist der Vorwahlkampf der Demokraten aber nicht entschieden: Die nächsten Abstimmungen stehen am Dienstag in Idaho, Michigan, Mississippi, Missouri, North Dakota und im Bundesstaat Washington an. Eine Woche später werden Vorwahlen in Florida, Arizona, Ohio und Illinois abgehalten.