Medien: Ankara verlangt von Berlin Auslieferung von mutmaßlichem Putschanführer

Die Türkei will Medienberichten zufolge von Deutschland die Auslieferung des mutmaßlichen Putschistenführers Adil Öksüz verlangen. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, lag ein entsprechender Antrag am Dienstag beim türkischen Justizministerium. Dieser solle nun nach Berlin gesandt werden. Medien hatten über einen Aufenthalt Öksüz' in Deutschland berichtet - weder Berlin noch Ankara hatten dies bislang offiziell bestätigt.

Nach Angaben von Anadolu hatte ein Gericht in Ankara den Auslieferungsantrag angefordert. Dort wird Öksüz in Abwesenheit mit 485 weiteren Angeklagten wegen des gescheiterten Putschversuchs vom 15. Juli 2016 in der Türkei der Prozess gemacht.

Türkische Zeitungen hatten im Sommer berichtet, Öksüz sei in Frankfurt und Ulm gesehen worden und habe in Baden-Württemberg Asyl beantragt. Ankara hatte daraufhin im August mit einer diplomatischen Note von Berlin Aufklärung verlangt, ob sich Öksüz tatsächlich in Deutschland aufhält.

Der Theologiedozent Öksüz soll der oberste Verantwortliche der Gülen-Bewegung in der türkischen Luftwaffe gewesen sein. Die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen soll ihre Anhänger über Jahrzehnte in Militär, Polizei, Justiz und Verwaltung platziert und laut türkischer Regierung im Juli 2016 versucht haben, Präsident Recep Tayyip Erdogan zu stürzen.

Öksüz soll in der Putschnacht auf dem Luftwaffenstützpunkt Akinci den Umsturzversuch koordiniert haben. Er wurde am Morgen des 16. Juli in der Nähe des Stützpunkts festgenommen, jedoch kurz darauf auf Anweisung eines Staatsanwalts wieder freigelassen und ist seitdem flüchtig.

Mehrere tausend Türken haben seit dem gescheiterten Militärputsch in Deutschland Asyl beantragt, darunter zahlreiche Militärangehörige und Diplomaten. Die Türkei wirft Deutschland vor, Putschisten Zuflucht zu gewähren, und fordert ihre Auslieferung. Berlin verweist jedoch darauf, dass allein die Asylbehörden über die Gesuche entscheiden.