Medaillen-Check vor Pyeongchang 2018: Dahlmeier als Königin der Spiele?

Das deutsche Team fährt wie immer mit großen Ambitionen zu den Winterspielen. In Pyeongchang sollen die 19 Medaillen von Sotschi 2014 überboten werden. Die Hoffnungen ruhen vor allem auf Laura Dahlmeier – doch wer kommt danach?

Laura Dahlmeier ist der große Trumpf im deutschen Ärmel. (Bild: Getty Images)

Die deutschen Medaillenchancen im Biathlon:

Das deutsche Team ist bei Herren wie Frauen mit der maximal möglichen Anzahl von jeweils sechs Athleten vertreten. Dennoch konzentriert sich im Biathlon vieles auf eine Person: Laura Dahlmeier. Die 24-Jährige gilt als der kommende Star der olympischen Winterspiele aus deutscher Sicht.

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Sie überwand ihre kurze Schwächephase rund um den Jahreswechsel und meldete sich zuletzt gewohnt stark zurück. In Pyeongchang sollten mehrere Medaillen wahrscheinlich sein – vielleicht sogar die Top-Marke von sechs Stück. Bisher konnte kein deutscher Athlet mehr als drei Medaillen in einem Jahr verbuchen.

Während aus weiblicher Sicht alles geordnet scheint, gibt es bei den Männern noch Grund zur Sorge. Simon Schempp plagte sich im Januar mit Rückenschmerzen, hat aber laut Aussagen seines Teams die muskulären Probleme überwunden und wird versuchen, nicht nur dabei gewesen zu sein.

Hinter Schempp sind Arnd Pfeiffer oder Erik Lesser eher Mit-Favoriten als Favoriten. Die beliebteste Wintersportart Deutschlands wird aber im Normalfall nicht ohne Medaille bleiben. 2014 gab es zwei Silbermedaillen, die Verantwortlichen werden sich eine Steigerung erhoffen.

Die deutschen Medaillenchancen im Ski alpin:

Die Herren hat das Verletzungspech heimgesucht. Felix Neureuther musste mit einem Kreuzbandriss absagen, das gleiche Schicksal ereilte Stefan Luitz. Ein Winter-Märchen wäre somit genau richtig für die Deutschen.

Am ehesten scheint dafür Thomas Dreßen bereit zu sein. Der 24-Jährige krönte sich auf der legendären Streif zum König von Kitzbühel, musste dann aber in Garmisch schnell feststellen: “Die anderen sind halt auch keine Nasen.”

Das gilt ganz besonders für Olympia. Für die Herren-Abfahrt gibt es ein Dutzend Favoriten, Dreßen gehört dazu. Allerdings kommt ihm die eher einfache Strecke nicht entgegen, im ersten Training war Dreßen abgeschlagen. Andreas Sander, in der laufenden Saison häufig unter den Top10, könnte für eine Überraschung sorgen. 

Die größen Medaillenchancen hat Viktoria Rebensburg, die sich zuletzt mehr und mehr in Richtung Top-Form arbeitete. Nach dem zweiten Platz in Lenzerheide freute sie sich: “Es ist cool zu wissen, dass ich schnell bin.” Auch für Deutschland cool zu wissen.

Die deutschen Medaillenchancen im Skispringen:

Auch Severin Freund wurde von einem Kreuzbandriss matt gesetzt, weshalb die Chancen im Skispringen für die Deutschen gefallen sind. Die Hoffnungen ruhen auf Richard Freitag, der in Zakopane zuletzt auf Rang zwei flog. Andreas Wellinger zeigte am gleichen Ort, dass er auch schweren Bedingungen gewachsen ist und ließ unter anderem den Polen Kamil Stoch klar hinter sich.

Bei den Frauen fehlt Svenja Würth. Somit muss die 21-jährige Katharina Althaus die Kohlen aus dem Feuer holen – das hat zuletzt in Ljubno immerhin mit Platz zwei gut funktioniert. Sie wird bei Olympia sicherlich um Medaillen kämpfen.


Die deutschen Medaillenchancen im Langlauf:

Der weibliche Part im Langlauf beruht zu großen Teilen auf Sandra Ringwald. In Lenzerheide fuhr sie nach einem Sturz mit dem sechsten Platz das beste deutsche Saisonergebnis ein – das sagt viel über die Medaillenchancen bei Olympia aus.

Bei den Männern geht die Prognose nicht aufwärts – sondern eher in die andere Richtung. Langlauf bleibt weiterhin alles andere als die Paradedisziplin der Deutschen. Auch die Österreicher haben in Person von ÖSV-Chef Peter Schröcksnadel schon gegenüber Norwegen kapituliert: “Da hast du keine Chance.”

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Die deutschen Medaillenchancen in der nordischen Kombination:

Anders dagegen in der nordischen Kombination. Dort teilen sich Deutschland und Norwegen den Status als Favorit auf (mehrfach) Gold. Zu großen Teilen liegt das an einem Namen: Eric Frenzel, dem deutschen Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier. Doch auch dank Johannes Rydzek und Fabian Rießle dürfen sich die Deutschen zurecht Hoffnungen auf eine Medaille machen.

Die deutschen Medaillenchancen in Bob, Rodeln und Skeleton:

Gute Chancen haben die Deutschen im Eistunnel nicht. Vielmehr sind die Chancen traditionell herausragend. Dass vier Gold- und eine Silbermedaille 2014 den Verband enttäuschten, spricht eine klare Sprache.

Ob Felix Loch oder Nathalie Geisenberger: Alles andere als Siege wären eine Enttäuschung für das deutsche Rodel-Team. Auch im Bob stehen die Chancen gut, Francesco Friedrich und Johannes Lochner sind die großen Namen. Und auch die Frauen dürften schnell unterwegs sein – die Rivalinnen kommen übrigens dieses Jahr erstmals aus Jamaika und Nigeria.

Im Skeleton ist Jacqueline Lölling die deutsche Favoritin, Axel Jungk konnte zuletzt überzeugen. Ob es schon bei Olympia für einen Sieg reicht?


Die deutschen Medaillenchancen in Eisschnelllauf, Eiskunstlauf und Short Track:

Alle vier Jahre grüßt das Murmeltier namens Claudia Pechstein: Die 45-Jährige geht nach 1992, 1994, 1998, 2002, 2006 und 2014 erneut ins Rennen um die Medaillen. Und auch nach inzwischen 26 Jahren ist sie immer noch eine der Favoritinnen – und das Beste, was Deutschland zu bieten hat.

Die männlichen Kandidaten lauten Nico Ihle und Patrick Beckert. Angesichts der ausgesprochenen Dopingsperre gegen einige russische Favoriten im Feld darf sich Ihle nun mehr als berechtigte Hoffnungen auf einen Olympiasieg machen.

Im Eiskunstlauf ist Aljona Savchenko die große Konstante. Mit Partner Bruno Massot sollte die nächste Überraschung her, nachdem sie sich im Duo den Gesamtsieg im Grand Prix sicherten. Das “verrückt hohe Level” (Massot) soll jetzt auch bei Olympia her – dann ist alles möglich.

Im Short Track ist der große Favorit Wiktor Ahn des Dopings überführt worden. Damit ist das Feld offener als in den letzten Jahren, die Chancen für die Herren sind aber nicht so gut wie bei den Frauen. Bianca Walter und die 19-jährige Anna Seidel machen sich durchaus Hoffnungen auf das Podium.

Die deutschen Medaillenchancen im Eishockey:

Die NHL boykottiert Olympia und hat damit Mannschaften wie Deutschland das Spiel etwas einfacher gemacht. Namhafte Nationen müssen auf zahlreiche Stars verzichten, während die Deutschen nur geringfügig geschwächt sind. Als Favorit darf sich das deutsche Team allerdings dennoch bei weitem nicht bezeichnen. Dafür ist die Konkurrenz mit Kanada, USA, Schweden, Finnland, Russland und Tschechien auch ohne die NHL-Stars einfach zu stark. 

Die deutschen Medaillenchancen im Snowboard und Freestyle-Skiing:

Die deutschen Snowboarderinnen Ramona Hofmeister und Selina Sörg konnten zuletzt echte Bewerbungsschreiben für Olympia abgeben und dürften damit zu den Favoritinnen auf eine Medaille im Parallel-Riesenslalom zählen. Die Männer hingegen dürften weitgehend chancenlos sein.

Im Snowboard-Cross gilt das gleiche für die Deutschen – dann aber auf männlicher wie weiblicher Seite.