Maze Alpha Review: randlos, riesig, sehr erschwinglich

Sascha Koesch
(engadget)


Es ist gerade mal vier Monate her, da hatte die bis dahin völlig unbekannte chinesische Firma Maze aus dem Nichts heraus sein erstes Smartphone angekündigt und gleich groß mit einem randlosen Mi Mix Look-A-Like aufgetrumpft. Geht das? Eine Firma in so kurzer Zeit scheinbar völlig ohne Vorerfahrung in einem Markt positionieren, der der Traum aller Smartphone-Hersteller dieser Tage ist? Es scheint so, denn wir haben das Maze Alpha in den Händen und schon auf den ersten Blick wirkt es beeindruckend.

Zwar gibt es rechts, links und oben am "randlosen" Rand durchaus kleine schwarze Streifen, aber der Eindruck den der Bildschirm hinterlässt ist dennoch futuristisch und elegant. So müssen Smartphones dieser Tage aussehen. Für rund 170 Euro dürfte Maze hier definitiv die Nase weit vorn haben, auch wenn andere in diesem Segment schon sehr bald mit ähnlichen Designs nachrücken wollen und man irgendwie vielleicht sogar von eine Schwemme aus randlosen Smartphones im Bereich zwischen 150 und 200 Euro reden könnte.



Mit einem 6-Zoll Display ist das Maze Alpha natürlich ziemlich massiv, aber da nur unten für den Fingerabdrucksensor und die Frontkamera ein Bereich jenseits des Screens hinzukommt, liegt es dennoch gut in der Hand (meine ist recht groß) und mit nur 8.1 Millimetern ist es auch wirklich nicht dick. Das Gewicht ist mit 225 Gramm wuchtig, dank dem metallenen Rahmen verbuchen wir das aber gerne auch als edel. Die Verarbeitung des Alpha ist durch und durch präzise, hier wackelt wirklich nichts. Die schwarz-glänzende Rückseite ist aus Plastik und wie die Frontseite leider relativ anfällig für Fettabdrücke. Man wird das Alpha, will man es in seiner ganzen Schönheit herum zeigen, gerne mal ab und an mit einem Tuch abwischen.

Mit einem Mediatek Helio P25 ausgestattet ist das Alpha ein solides Arbeitstier. Da ruckelt gar nichts, die 4GB RAM (es gibt noch eine größere Version mit 6GB und 128GB Speicher, statt 64GB) werden selten angetastet, das schlanke Android N mit ein paar Eigenheiten, aber völlig ohne Bloatware, wirkt gut abgestimmt und läuft butterweich. Der Launcher (leicht modifizierter Standard Launcher 3) hat - jedenfalls konnte ich nichts entdecken - keinen App Drawer, was vielleicht nicht jedermanns Geschmack ist, aber eben auch leicht behebbar mit dem Launcher der eigenen Wahl. Man muss sagen: der scheinbar ungebrochene Trend chinesischer Firmen, Android in solide minimal zu präsentieren, gefällt mir von Mal zu Mal mehr als Strategie.



Als zusätzliche Software neben dem scheinbar in China obligatorischen HotKnot sind hier Einstellungen für die OnScreen-Navigation zu finden, diverse Gesten zum Aufruf von Programmen aus dem Schlaf, oder der Aktivierung von Aktionen in einzelnen Programmen. Mir ist gelegentlich nicht ganz klar geworden, wie sie funktionieren, zumal es drei verschiedene Einstellungen dafür gibt. Diejenigen die ich verstehe, finde ich aber oft recht praktisch, wie z.B. der Screenshot mit einem 3-Finger-Swipe nach unten. Das Security Patch der Android 7.0 Version ist vom 5. Juli, auch hier also absolut vorbildlich. Und auch auf den Google Assistant braucht man nicht zu verzichten. OK Google läuft ohne Probleme, die mitgelieferte Google- und Android-Software entspricht obendrein dem minimalen Standard.

Der Fingerabdrucksensor ist schnell und sehr zuverlässig, für alle die ihn vorne mögen wohl auch ziemlich gut platziert. Mit Hall-Sensor, Gyro, Proximity, Ambient Light, Accelerometer, Kompass wird auch auf nichts verzichtet, was man normalerweise brauchen könnte.

Die großzügige 4.000mAh Batterie arbeitet verlässlich mit dem Prozessor und dem 1080p Bildschirm zusammen, so dass man locker durch den Tag kommt, selbst wenn man hyperaktiv ist. Zwei Tage ohne Aufladung ist bei normaler Nutzung aber durchaus auch drin. In ca. eineinhalb Stunden ist der Akku auch wieder voll, was aber weniger am USB-C liegen dürfte (nur 2.0) als vielmehr am MediaTek PE+ Fast Charge.

Auch an Konnektivität mangelt es dem Alpha an nichts. LTE Cat-6 mit allen hierzulande gängigen Bändern (1/3/7/8/20), schnellstes 5G WiFi a/b/g/n/ac, Bluetooth 4.1, GPS, Glonass und BeiDou. Ein moderner, aber nicht sonderlich rasanter USB-C Anschluss, Kopfhörer-Klinke. Was will man mehr? (Hm, vielleicht NFC...). Der Sound aus dem Lautprecher ist - leider üblich - ziemlich dünn, aber über Kopfhörer respektabel ausgewogen und pumpend.



Der Bildschirm selbst ist ein IPS LCD mit Gorilla Glass 4, Full HD und 480 PPI. Besonders lichtstark ist er nicht, aber in der Sonne dennoch durchaus lesbar. Farblich ausgewogen, gute Blickwinkel, ein gutes Standard-Display also, das vielleicht nicht grandios ist, aber durch und durch ausreichend und es wird der randlosen Ästhetik ganz und gar gerecht. Ich würde das mal unter einem sanften Wow-Faktor einstufen. Es wird auch - falls man das mag - eine Folie zum Schutz des Bildschirms mitgeliefert, bei der Seltenheit des Maze Alpha vermutlich eine gute Idee, ein Case oder einen Bumper haben wir bislang noch nicht gesichtet.

Nach einer Runde mit dem Maze Alpha wirkte mein Pixel XL auf ein Mal nicht nur irgendwie ziemlich klein, etwas mickrig sogar, sondern vor allem sehr altmodisch. Es ist schon abenteuerlich, wenn eine völlig neue Firma in ein paar Monaten aus dem Stand einen der größten Player zumindest in ästhetischer Hinsicht locker übertrumpfen kann, selbst wenn es sich natürlich um ein Mittelklasse Smartphone handelt, dem High-End-Features (NFC, Prozessor mit VR-Qualitäten, herausragende Kamera) verwehrt bleiben.



Apropos Kamera: Mit einem Dual-Setup auf der Rückseite mit einem 13 Megapixel Samsung S5K3L8 Sensor nebst 5 Megapixeln darf man durchaus solide Bilder erwarten. Es gibt keine optische, nur elektronische Bildstabilisierung, die Blende ist mit f/2.2 nicht die lichtstärkste, aber farblich finden wir die Ergebnisse durchaus gelungen. Was Maze hier auszeichnet ist die durchaus schön gemachte Kamerasoftware mit einigen sehr guten Features. In der Pro-Einstellung kann man ISO, Weißabgleich und Helligkeit sehr leicht regeln, aber selbst in der normalen Einstellung gibt es neben dem Fokus immer einen Regler für die Helligkeit. Hinzu kommen noch Face-Beauty, Blur, mit dem man es leicht übertreiben kann, eine Monochrom-Einstellung und Panorama. Die Auslösung geht relativ fix, der Fokus auch, aber natürlich sollte man weder rasante Fokussierung noch herausragende Schärfe bei schneller Bewegung erwarten. Die Stärke der Kamera liegt eindeutig bei starken Farben und sehr guten Kontrasten. HDR finde ich hier eher mau und wirkt mir schlicht eher überbelichtet und man sollte wirklich die Finger von der "Zero-Shutter-Delay"-Einstellung lassen, denn dann wird einfach alles unscharf, etwas das leider auch passiert, wenn man den Burst-Modus nutzt. Ein absoluter Pluspunkt ist - vielleicht hilft hier die zweite Rückkamera nach, denn mir ist etwas unklar, was sie wirklich tut - der Zoom. Gewöhnlich lasse ich bei Smartphones die Finger davon, aber der 8-fach Zoom des Maze Alpha ist wirklich durch und durch nutzbar. Zwar sind die Ergebnisse dann nicht mehr ganz so scharf, aber es endet eben nicht in der sonst so oft üblichen Pixelsauce, sondern bei durchaus brauchbaren Ausschnitten. Obendrein ist der Zoom mit einem herausklappbaren Drehrad im Interface sehr gut und flüssig handhabbar umgesetzt. Was die Kamera auch erstaunlich gut hinbekommt sind fast stehende Belichtungen von Wasser, wenn man gutes Licht hat.



Mit schlechteren Lichtverhältnissen nimmt die Kameraqualität dann allerdings auch schnell ab und die Fokussierung kleiner Objekte mit Blitz ist so gar nicht das Ding des Maze Alpha. Die Videoqualität ist Standard für ein Smartphone dieser Preisklasse. Ansehnlich, aber wirklich nicht professionell. Es macht also durch und durch Spass mit der Kamera des Maze Alpha tagsüber oder bei gutem Licht auf Foto-Safari zu gehen, zumal der Bildschirm einen sehr guten und füllenden Eindruck vom Ergebnis vermittelt und die Bilder können sich wirklich sehen lassen.



Maze hat es geschafft mit dem Maze Alpha ein sehr ausgewogenes Smartphone mit randloser Designanmutung zu entwickeln, dem es bei einem fast unglaublichen Preis an nahezu nichts mangelt, was man von einem Smartphone selbst der gehobenen Mittelklasse erwarten würde und dabei ist es auch noch ein ästhetisch durch und durch herausragendes Smartphone geworden. Kaum mehr als ein halbes Jahr nachdem das Mi Mix mit seinem Design hier einen Trend für eine längst überfällige Designrevolution unter den Smartphones angestoßen hat, zeigt das Maze Alpha, dass wir bei Smartphones mittlerweile fast schon erwarten können, dass man, zumindest wenn es um Ästhetik geht, eine rasante Verbreitung von Design-Schüben in fast nur einer Saison erwarten kann. Und das, ohne dann von unausgegorener Technik enttäuscht zu werden.

Maze Alpha