Maybrit Illner: So einig waren sich Grüne und FDP vermutlich noch nie

Jürgen Trittin (l.) und Wolfgang Kubicki in ungewohnter Eintracht. (Bild: Screenshot/ZDF)

Einen solchen Kuschelkurs zwischen Grünen und Liberalen gab es live im TV noch nicht zu sehen: In der Sendung von Maybrit Illner sollte darüber diskutiert werden, wie sozial die Jamaika-Koalition wird. Die Politiker im Studio schienen die Antwort gleich in der Praxis präsentieren zu wollen.

Was sich derzeit zwischen Grünen und FDP anbahnt, mag zwar zu keiner Liebesheirat führen – seit der Bundestagswahl und den Diskussionen um eine Jamaika-Koalition betonen beide immer wieder ihre Differenzen. Doch dass zumindest zwei Vertreter der beiden Parteien ganz neue Gemeinsamkeiten entdeckt zu haben scheinen, konnte man am Donnerstagabend in der Sendung von Maybrit Illner sehen. Die Moderatorin wollte von ihren Gästen wissen: „Koalition nur für Eliten? Wie sozial wird Jamaika?“

Neben Vertretern der Jamaika-Parteien – Ilse Aigner (CSU), Wolfgang Kubicki (FDP) und Jürgen Trittin (Grüne) – saßen noch Andrea Nahles (SPD) sowie der Wirtschaftsexperte Marcel Fratzscher am Tisch. Gleich zu Beginn bekräftigte Nahles, wie wichtig das Thema Gerechtigkeit sei – obwohl ihre Partei mit diesem Anliegen bei der Bundestagswahl schlecht abschnitt. „Das muss auch ein Top-Thema für die nächsten Jahre sein“, insistierte die neue SPD-Fraktionschefin im Bundestag.

Bei Maybrit Illner war Jamaika auch an der Sitzordnung abzulesen. (Bild: Screenshot/ZDF)

Zwar ging es in der Sendung um klassische Gerechtigkeitsthemen wie unbezahlbare Mieten, sinkendes Rentenniveau sowie eine sich immer weiter öffnende Lohnschere. Doch so richtig interessant wurde es erst, als Jürgen Trittin zum ersten Mal das Wort ergriff. „Um welche Jobs kämpfen die Grünen?“, wollte Maybrit Illner von dem ehemaligen Bundesumweltminister wissen.

Und der überraschte mit folgender Antwort: „Ich bin sehr dafür, dass wir dieses Deutschland als Industriestandort erhalten.“ Haben sich die Grünen plötzlich zur Pro-Industriepartei gewandelt? Oder spricht da schon der zukünftige Jamaika-Koalitionär, der Zugeständnisse an Union und FDP macht?

Nach ein paar kurzen Schweigesekunden im Studio ergänzt Trittin: „Wir sind ein Land, das lebt davon: Wir exportieren Chemie, Maschinenbau, Automobilindustrie. Dafür müssen wir uns aufstellen.“ Wichtig sei es daher, so Trittin, die Herausforderungen der Digitalisierung anzupacken.

Im weiteren Verlauf der Talk-Runde konnte man noch über das Verhältnis zwischen Grünen und FDP staunen. Als Trittin Glasfaserkabel bis zu jedem Haushalt fordert, grätscht Sitznachbar Kubicki dazwischen: „Das ist FDP-Programm!“. Trittin darauf ungewohnt sanft in Richtung FDP: „Nein, das ist grünes Programm, aber in dieser Frage sind wir uns einig.“

Wenig später zieht Kubicki ein Fazit: „Ich habe heute gelernt, dass entgegen meinen Vorurteilen manche Gedanken von Jürgen Trittin ganz vernünftig sind. Ich freue mich darauf, dass diese Erfahrung sich fortsetzen wird.“

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