May verlangt von Saudi-Arabien weitere Lockerung der Blockade des Jemen

Premieministerin May und König Salman in Riad

Die britische Premierministerin Theresa May hat von Saudi-Arabien eine weitere Lockerung der Blockade des Jemen verlangt. Nur durch die verstärkte Lieferung von Hilfsgütern könne im Jemen "eine humanitäre Katastrophe verhindert" werden, erklärte May laut einer offiziellen Mitteilung der britischen Regierung vom Donnerstag anlässlich von Gesprächen mit dem saudiarabischen König Salman und Kronprinz Mohammed bin Salman in Riad. Schon vor ihrem Besuch in der saudiarabischen Hauptstadt hatte May am Mittwoch angekündigt, sie wolle in dieser Frage "Klartext" reden.

Saudi-Arabien steht an der Spitze einer Militärkoalition, die sich in den Bürgerkrieg im benachbarten Jemen eingeschaltet hat. Am 6. November verhängte die Koalition eine Blockade über alle jemenitischen Seehäfen, Flughäfen und Landübergänge, um die Huthi-Rebellen im Jemen zu schwächen. Von der Blockade waren auch die internationalen Hilfslieferungen für die Zivilbevölkerung im Jemen betroffen.

Inzwischen wurde die Blockade gelockert, am Samstag landeten erstmals wieder mehrere Flugzeuge mit Hilfsgütern in der Hauptstadt Sanaa, am Sonntag erreichte ein Schiff mit 25.000 Tonnen Weizen den von Rebellen kontrollierten Hafen Saleef im Westen des Landes. Nach Angaben des Kinderhilfswerks Unicef benötigen mehr als elf Millionen Kinder im Jemen dringend Hilfe.

Die UNO fordert, die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition müsse auch den von den Aufständischen kontrollierten Hafen Hodeida wieder freigeben. Dieser ist für die Lieferungen besonders wichtig, da in seiner Nähe die meisten der Hilfsbedürftigen leben.

May habe bei dem Besuch in Riad klargestellt, dass der "Zustrom von Handelsgütern" wieder ermöglicht werden müsse, erklärte die Regierung in London. Bei den Gesprächen der Premierministerin in Riad sei es "Konsens" gewesen, dass "schnell Schritte in diese Richtung" unternommen werden müssten.

Saudi-Arabien ist der wichtigste Handelspartner Großbritanniens in der Nahost-Region. Seit März 2015, als die Intervention Saudi-Arabiens im Jemen begann, vereinbarten die Regierungen in Riad und London britische Rüstungslieferungen im Wert von umgerechnet 3,7 Milliarden Euro. In dem Bürgerkrieg wurden inzwischen 8600 Menschen getötet, durch eine Cholera-Epidemie kamen rund 2000 Menschen ums Leben. Die UNO warnt, im Jemen müsse mit der "größten Hungersnot seit Jahrzehnten" gerechnet werden.