May bekommt Lob für ihre Verteidigungsausgaben – aber sonst geht es nur um Trump


Es sind Worte, die in den Ohren der momentan so oft kritisierten britischen Premierministerin Theresa May wie Musik klingen dürften. „Sie gehen mit gutem Beispiel voran“, lobte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bei seinem Besuch in London seine Gastgeberin. Großbritannien gebe schließlich zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aus – während Länder wie Deutschland und Kanada deutlich weniger einzahlen.

Aber Großbritannien sieht sich traditionell als Vorreiter in Sicherheitsfragen. Und gerade jetzt, mit Blick auf den bevorstehenden Austritt des Landes aus der EU gewinnen Bündnisse wie die Nato und der UN-Sicherheitsrat für die Briten an Bedeutung.

Deswegen verfolgt man auf der Insel auch mit Sorge das Vorgehen der USA. US-Präsident Donald Trump hatte bereits während seines Wahlkampfes erklärt, dass er die Nato für „überflüssig“ halte. Die Premierministerin versuchte jedoch, die Spannungen herunterzuspielen. Ja, es gebe einige Themen, bei denen man nicht der gleichen Meinung sei, sagte sie und verwies auf die Haltung der USA gegenüber Iran und den Handelsstreit. „Aber wir kommen zusammen und sprechen darüber.“

Das Vorgehen des US-Präsidenten bringt die Briten in eine besonders schwierige Lage: Schließlich will man Trump, den man als wichtigen Partner für die Zeit nach dem Brexit sieht, nicht verärgern. Zumal dieser, nach dem Nato-Gipfel am 10. und 11. Juli, in London zu Besuch ist.


Eigentlich war schon lange geplant, dass der US-Präsident nach Großbritannien kommt. Doch nachdem unzählige Briten – darunter der Londoner Bürgermeister – lautstark dagegen protestierten, wurde der Besuch immer wieder aufgeschoben. Am 13. Juli soll der US-Präsident nun aber kommen.

In der Regierung bemüht man sich, die Visite als „Arbeitstreffen“ und nicht als „Staatsempfang“ zu deklarieren. Aber britischen Boulevardmedien zufolge darf der US-Präsident sogar bei der Königin vorbeischauen. Der Premierministerin, die als erste westliche Regierungschefin nach Amtsantritt von Trump in Washington empfangen worden war, steht ein diplomatischer Drahtseilakt bevor. Zumal Gerüchte kursieren, dass US-Präsident Trump ein Treffen mit Russlands Staatschef Wladimir Putin plant. Dabei herrscht zwischen Großbritannien und Russland nach einem Giftanschlag auf einen Ex-Spion Anfang März Eiszeit.

Aber auch in anderen Ländern ist man vor dem Nato-Gipfel nervös, schließlich hatte der US-Präsident beim G7-Gipfel in Kanada gezeigt, dass er für Überraschungen gut ist. Nato-Generalsekretär Stoltenberg zeigte sich in London aber optimistisch. Europa und Nordamerika hätten schon in der Vergangenheit Differenzen gehabt, sagt er. Aber das habe ihre Beziehung überstanden.

Er habe kürzlich mit US-Präsident Trump gesprochen, und dieser habe ihm versichert, dass sich die USA weiter in der Nato engagieren wollen. Stoltenberg betonte, wie wichtig das Bündnis gerade in den heutigen Zeiten sei. „Wir müssen unsere multilateralen Institutionen wie die Nato weiterhin schützen“, sagte er, „wir müssen uns weiterhin für die internationale regelbasierte Ordnung einsetzen, die uns so viele Jahrzehnte lang so gute Dienste geleistet hat. Das erfordert politischen Willen, Fantasie und harte Arbeit.“ Wie hart, das ist wohl allen Beteiligten klar.