Max Kruse bei Werder Bremen: Torjäger und Lebemann

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Max Kruse bei Werder Bremen: Torjäger und Lebemann

Seit seinem Wechsel an die Weser ist Max Kruse nicht mehr aus der Mannschaft wegzudenken. Er verkörpert Stadt und Verein wie kaum ein anderer.

Spucken, kicken, köpfen, Hacke, Mund: Es dauerte nicht lange, bis die irre Kaugummi-Show von Max Kruse im Internet die Runde machte. "Wir haben selbst nicht daran geglaubt, dass es funktioniert", kommentierte der Angreifer von Werder Bremen kürzlich die verrückte Trainingsnummer im ZDF Sportstudio: "Schön, dass es geklappt hat."

Max Kruse ist der Hingucker bei Werder Bremen. Und das nicht erst seit der irren Kaugummi-Jonglage mit seinem Teamkollege Justin Eilers am Rande des Werder-Trainings vor einigen Wochen. In zuverlässiger Regelmäßigkeit liefert Kruse an der Weser Schlagzeilen. Meist sportlich, aber auch immer wieder abseits des Platzes.

Kruse: Nicht nur Fußball im Kopf

In Zeiten glattbegügelter Vereinskommunikation und einstudierten Einheitssprechs ist Kruse ein willkommener Farbtupfer. Der 29-Jährige liebt schnelle Autos, pokert gern - und macht daraus keinen Hehl. Erst zu Jahresbeginn gründete Kruse ein eigenes Auto-Rennteam mit dem Namen Max Kruse Racing, im letzten Sommer räumte er bei einem Pokerturnier in Las Vegas eine fünfstellige Summe ab.

"Jeder Mensch hat Hobbys, ich finde da nichts Schlimmes dran. Ich fahre mal zum Pokerturnier und trinke dafür keinen Alkohol. Ich weiß nicht, was von beidem unprofessioneller ist", sagte Kruse dazu bei seinem Fernsehauftritt, als er auf die angebliche "lange Leine" in Bremen angesprochen wurde.

In Bremen stört man sich tatsächlich nicht an den kleinen Extravaganzen des sympathischen Angreifers, man schätzt vor allem die fußballerische Klasse Kruses. "Er hat definitiv aufgrund seiner sportlichen Qualität eine Sonderstellung bei uns in der Mannschaft", sagte Werder-Trainer Florian Kohfeldt: "Das entsteht aber immer damit, dass er sie mit Leistung untermauert."

Max Kruse als Lebensversicherung von Bremen

Mit 15 Treffern bewahrte Kruse die Bremer in der vergangenen Spielzeit fast im Alleingang vor dem Abstieg, und auch in dieser Saison läuft es mit elf Scorerpunkten (fünf Tore, sechs Vorlagen) rund. Die häufig gelobte Spielkultur der Norddeutschen hat viel mit der individuellen Klasse Kruses zu tun. 

Kruse spiele "eine tolle Saison nach seiner Verletzung", lobte Borussia Mönchengladbachs Trainer Dieter Hecking vor dem Duell gegen Werder am Freitagabend (20.30 Uhr im LIVE-TICKER): "Max ist sehr wichtig für die Mannschaft. Er ist torgefährlich, er ist präsent, er reißt mit. Bremen ist viel Kruse."

Angesichts der aktuellen Verletzungsmisere der Borussia hätte man zurzeit gern einen wie den 14-maligen Nationalspieler in seinen Reihen. Zumal Kruse eine Gladbacher Vergangenheit hat. 77 Partien bestritt er zwischen 2013 und 2015 für die Borussia. 25 Tore und 22 Vorlagen sammelte Kruse seinerzeit, bevor es ihn für zwölf Millionen Euro zum VfL Wolfsburg zog.

Schwierige Zeit in Wolfsburg

Doch beim Werksklub konnte er die in ihn gesetzten Erwartungen nie wirklich erfüllen. Nach einigen Eskapaden außerhalb des Platzes wurde Kruse von Bundestrainer Joachim Löw im März 2016 sogar kurzfristig aus dem DFB-Aufgebot gestrichen und dann auch nicht in den EM-Kader berufen. Seitdem wartet er vergeblich auf eine Nominierung.

Nach dem turbulenten Jahr in Wolfsburg stand Kruse vor der Entscheidung, ob er weiterhin in Deutschland spielen möchte oder ob er ins Ausland geht. "Ich habe mich dann aber entschlossen, dass ich mich nicht verstecken muss und in Deutschland bleiben will", sagte Kruse zu seiner Entscheidung. Mit dem Wechsel nach Bremen lag er goldrichtig.