Max Kruse? "Dann können sich alle das Maul über ihn zerreißen"

Reinhard Franke
·Lesedauer: 6 Min.

Max Kruse gibt wieder Gas. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch abseits des Rasens. Kritiker werden sagen: "Der lernt es nie", Fans dagegen erwidern: "So isser, der Max!". Der 32-Jährige wurde jetzt in einer Tempo-30-Zone mit erhöhter Geschwindigkeit geblitzt.

Im Anschluss regte er sich fürchterlich auf, dass der Blitzer nur wenige Meter hinter dem Tempo-30-Schild-postiert worden sei. Bei Instagram postete Kruse ein Foto der Verkehrssituation. Das Verkehrsschild und den Pkw, aus dem laut Kruse geblitzt wurde, hat der Stürmer rot umkringelt, dazu ein Wut-Emoji und das Wort "Schweine" gestellt.

Darunter schrieb Kruse: "Sorry, aber fünf Meter nach einem Schild einen Blitzer hinzustellen, ist schon stark asozial."

Kruse war schon immer ein besonderer Typ und fiel schon des Öfteren mit Geschichten abseits des Fußballplatzes auf.

2013 sorgte er etwa größtenteils für Kopfschütteln, als er an seinem ersten Tag bei Borussia Mönchengladbach im Maserati in Tarnfarben-Lackierung vorfuhr. Kaum verwunderlich, dass Kruse schon zu seiner Zeit beim SC Freiburg auch gerne "Maserati-Max" genannt wurde. Doch der Offensivspieler lieferte damals auch ordentlich ab. Seine Performance auf dem Rasen war Extraklasse.

Genauso wie am vergangenen Montag beim Spiel mit seinem aktuellen Klub Union Berlin bei der TSG Hoffenheim. Seit Sommer steht Kruse bei den Eisernen unter Vertrag, und spätestens seit dem Auftritt bei den Kraichgauern scheint er angekommen zu sein. Beim 3:1-Sieg war der frühere Nationalspieler der Mann des Spiels.

Klub-Legende ist glücklich

"Er hat ein Tor gemacht und zwei aufgelegt - da muss er vom Trainer ein Kompliment bekommen", lobte Urs Fischer, räumte aber ein: "Dass er 90 Minuten gespielt hat, hilft ihm auf dem Weg zurück. Bei der Fitness ist er noch nicht da, wo wir hin wollen, aber er ist auf einem guten Weg."

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Union-Legende Torsten Mattuschka freut sich vor dem Heimspiel der Köpenicker gegen Arminia Bielefeld (Sa., ab 15.30 Uhr im LIVETICKER) über die jüngste Entwicklung bei seinem Verein. "Ich bin glücklich, wie es ist, und man sieht, dass die Mannschaft schwer zu bespielen ist. Union spielt einen anderen Fußball als vergangenes Jahr, da gab es viele lange Bälle auf den Zielspieler Andersson (Sebastian Andersson wechselte zum 1. FC Köln, d. Red.)", sagt der 40-Jährige, von 2005 bis 2014 für Union aktiv, im Gespräch mit SPORT1.

Man habe im ersten Jahr Bundesliga schon guten Fußball gespielt, "aber die Truppe hat einen Prozess durchlaufen, sie machen mehr für das Spiel. Am Montag gab es viele gute Angriffe und die Jungs merken, dass sie sich auch durchspielen können. Jetzt hat man mit Max Kruse vorne einen neuen Fixpunkt, er bewegt sich super, geht in den Raum und ist dort nicht zu fassen." Kruse hat in sechs Spielen zwei Tore erzielt und drei weitere aufgelegt.

Als Kruse vor der Saison von seinem Intermezzo bei Fenerbahce Istanbul - er streitet sich mit dem Verein immer noch um ausstehende Gehaltszahlungen - in die Bundesliga zurückkehrte, war die Überraschung groß, als Union als sein neuer Arbeitgeber bekannt gegeben wurde.

Willkommen auf der Casting-Couch

In den ersten Wochen hatte es den Anschein, als sorgte der 32-Jährige mehr bei Instagram für Aufsehen als am Ball. Im Trainingslager lud er sich in den ersten Tagen für seine "Max-Kruses-Casting-Couch" erstmal Kollegen ein, um mit ihnen zu plaudern.

Generell ist Kruse bei Instagram fleißig unterwegs. Da wird bei ihm vor den Spielen der Unioner der Matchday schon mal als Max Day angekündigt. Ganz schön selbstbewusst - doch das war Kruse schon immer.

Nach seiner Zeit in Mönchengladbach spielte er beim VfL Wolfsburg, Werder Bremen und in der vergangenen Saison bei Fenerbahce. Ein durchschnittlicher Bundesliga-Profi war er noch nie. Und seine Karriere wurde schon des Öfteren von der einen oder anderen Verfehlung gepflastert. Vor allem in Wolfsburg, wo er 2016 auch suspendiert wurde. Sportlich war es eine Saison zum Vergessen.

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"Erstmal einen Lamborghini bestellt"

Ein ehemaliger Wolfsburger Mannschaftskollege denkt dennoch gerne an die gemeinsame Zeit in der Saison 2015/2016 zurück und hat noch mehr Potenzial in Kruse gesehen. "Max ist ein unglaublich guter Fußballer mit einem feinen linken Fuß, er ist ein intelligenter Profi, der Spiele entscheiden kann. Mit mehr Disziplin wäre einer großen Karriere nichts im Wege gestanden aber er hatte in Wolfsburg viel zu viele Nebenschauplätze, die ihn vom Fußball abgelenkt haben", sagt der frühere Nationalspieler Christian Träsch zu SPORT1.

"Als er nach Wolfsburg kam, hat er sich erstmal einen Lamborghini bestellt. Max konntest du zu jedem Spiel herausfordern, z.B. Backgammon, Fußball-Tennis, Linien-Schießen. Er war bei allem dabei. Bei Union zeigt er gerade, was er auf dem Platz drauf hat."

Auch sein früherer Trainer beim SC Freiburg erinnert sich gerne an Kruse. "Mit seiner taktischen und fußballerischen Intelligenz macht Max jede Mannschaft besser, das steht außer Frage. Er war nur ein Jahr bei uns, auch wenn es mir manchmal länger vorkommt. Wir haben damals sehr von seinem Raumverhalten und seinem linken Fuß profitiert, aber auch er hat bei uns einen großen Sprung gemacht - ich glaube, das kann man so sagen", meint Christian Streich bei SPORT1. Eine Rückkehr stand allerdings nie im Raum.

"Im Sommer hatten wir keinen Kontakt. Ehrlich gesagt habe ich mir schon gedacht, dass der Max vielleicht doch lieber in einer Metropole wie Berlin lebt als in unserem bürgerlichen Freiburg." Und in der Hauptstadt freuen sich alle, dass Kruse da ist. Die Art und Weise, wie Union Fußball spiele, überzeuge durch die Ergebnisse, meint Mattuschka. "Ich bin positiv überrascht und hoffe, dass es so weitergeht."

Nächstes Level dank Kruse

Und er sagt einen Satz, den sich jeder Unioner erstmal im Mund zergehen lassen dürfte. "Max kann Union auf ein nächstes Level heben, aber nicht nur er alleine. Jeder weiß, dass Max ein Unterschieds-Spieler ist, wenn er fit ist, er vom Team richtig eingesetzt und er das reinhaut, was er kann."

Die Liebe zu Social Media sei seine Privatsache. "Union wusste, was rechts und links passieren könnte. Max ist sicher nicht der Normalo-Fußballer. Er braucht dieses Besondere, um zu funktionieren. Wenn er das auf dem Platz zurückgibt, können sich alle das Maul zerreißen über ihn."

Die Rand-Geschichten um Kruse solle man akzeptieren. "Er ist ein Lebemann und kann der Mannschaft viel geben. Wenn das die Jungs merken, laufen sie auch gerne mal mehr für ihn", glaubt Mattuschka.

Urs Fischer sei "der richtige Trainer" für Kruse. "Wenn er sich das mit ihm nicht zutrauen würde, hätte man ihn nicht geholt. Da gab es auch viele Gespräche, bekam man ein Gefühl füreinander. Max passt zu Union. Da wird noch sehr viel kommen von ihm."

Für Mattuschka ist eines ganz klar: "Man wird immer mehr akzeptiert, wenn man mit Leistung voran geht. Da gucken in der Kabine und auf dem Trainingsplatz schon viele auf Max, aber das ist normal, wenn jemand so polarisiert. Wenn er abliefert, ist alles okay."