Auf die alten Tage: Der neue Plan mit Nowitzki

Stefan Schnürle
Dirk Nowitzki wird in der Saison wahrscheinlich häufiger in der Zone zu finden sein

Drittbester Power Forward aller Zeiten: Das war zumindest die Meinung einer von ESPN ausgewählten Fachjury über Dirk Nowitzki, als sie 2016 ein Ranking erstellten.

Der Superstar der Dallas Mavericks hat die Rolle des Power Forwards, der Dreier werfen und somit das Spiel öffnen kann, revolutioniert. "Stretch Four" nennen die US-Amerikaner die Position, die Nowitzki wie kaum ein anderer personifizierte.

Ausgerechnet in seiner 20. Saison soll Nowitzki aber nicht mehr als Power Forward, sondern als Center agieren. Doch welchen Plan verfolgen die Mavs damit und kann das überhaupt funktionieren? SPORT1 analysiert den Schachzug der Mavs. (Die NBA-Saison 2017/2018 LIVE auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

"Dirk auf der fünf bestes Szenario"

Die Journalisten staunten nicht schlecht über die Antwort des Mavs-Trainers Rick Carlisle, die sie am Montag zu Beginn der Vorbereitung auf die Frage nach der geplanten Starting Five bekamen.

"Im Moment sieht es so aus, dass es das beste Szenario für Dirk und uns ist, ihn als Center einsetzen", sagte Carlisle und fügte hinzu: "So lange ich hier bin, kann ich mir nicht vorstellen, dass Dirk von der Bank kommt."


Die Mavs erhoffen sich von dieser Änderung zwei Dinge. Erstens können Nowitzkis Schnelligkeitsdefizite in der Verteidigung etwas besser versteckt werden. Zweitens soll mit Nowitzki als Center die Offensive angekurbelt werden.

Denn diese Offensive war in der letzten Saison die große Schwachstelle der Mavericks. Lediglich 97,9 Punkte erzielte Dallas pro Partie. Die Mavs waren damit das einzige NBA-Team, das weniger als 100 Punkte im Schnitt erzielte.

Mavericks wollen schneller spielen

Hauptverantwortlich dafür war das langsame Tempo im Spiel der Mavericks - nur die Utah Jazz hatten in 48 Minuten noch weniger Ballbesitz.  

Carlisle hat deutlich gemacht, dass sich dies ändern soll und mit Rookie Dennis Smith Jr. haben die Mavs einen athletischen und schnellen Point Guard geholt, dem ein höheres Tempo liegen sollte.

Nowitzki wird bei Fastbreaks zwar hinterherhinken - für die Mavs könnte dies aber sogar einen netten Nebeneffekt haben. Gegnerische Teams neigen dazu den hinterhertrottenden fünften Mann kurz aus den Augen zu lassen, was Nowitzki einige freier Dreier ermöglichen könnte.


Da die Mavs mit lediglich 32,8 Punkten in der Zone in der vergangenen Saison bereits das schwächste Team der Liga waren, hält sich das Risiko auch in Grenzen. Getreu dem Motto: Schlechter kann es sowieso kaum werden.

Nowitzki soll Bigs aus der Zone locken

Einen noch größeren Vorteil versprechen sich die Mavericks von einer zweiten Eigenschaft Nowitzkis: Gegnerische Bigs nach außen ziehen.

Denn angesichts Nowitzkis herausragender Wurfqualitäten können seine Gegenspieler ihn nicht einfach draußen stehen lassen. Dies schafft Platz in der Zone und damit Möglichkeiten für Smith. Jr. und Harrison Barnes.

Für Nowitzki ist die Position des Centers auch kein unbekanntes Terrain, da er auf dieser - speziell in der vergangenen Saison - bereits häufiger ausgeholfen hat. "Hey, was passiert, passiert. Ich will dem Team helfen und bin hoffentlich weiter effizient", sieht Nowitzki die Idee seines Trainers gewohnt entspannt.


Noel muss auf die Bank weichen

Nowitzkis Verschiebung auf die Center-Position geht zu Lasten von Nerlens Noel, der erst im Februar zu den Dallas Mavericks wechselte und eher als klassischer Center gilt.

Noel hat seine Stärken in der Defensive, aufgrund seiner guten Fußarbeit wäre er prädestiniert dafür, die Zone zu beschützen und den langsameren Nowitzki zu entlasten. Doch Noel zunächst auf der Bank zu lassen, könnte auch defensiv Sinn machen.

Da Nowitzki nicht so lange Spielzeiten am Stück wie die in der Defensive stärkeren Wes Matthews und Barnes absolvieren kann, wird Nowitzki nach seiner ersten Pause wohl im 2. Viertel mit der zweiten Unit zurückkehren. Dort kann Nowitzki dann Power Forward spielen und hat mit Noel einen defensivstarken Center als Schutz an seiner Seite.

Ähnlich haben es die Celtics mit NBA-Legende Kevin Garnett in seinen letzten beiden Jahren in Boston gehandhabt und scheiterten 2011/2012 erst nach sieben Spielen in den Conference Finals am späteren Champion Miami Heat - gegen ein ähnliches Abschneiden hätten die Mavericks sicher wenig einzuwenden.