Mäusekot & Co.: Ekelfunde in Bayern wurden verschwiegen

Seit der Gesetzesänderung 2012 hat sich in Sachen Transparenz bei Lebensmittelkontrollen anscheinend nichts getan. (Symbolbild: Getty Images)

Nach dem Müllerbrot-Skandal im Jahr 2012 sollten Lebensmittelkontrollen eigentlich transparenter werden. Dass dies bis heute nicht geschehen ist, belegen neuere Ekelfunde in bayerischen Betrieben, über die sich das Landesamt ausschweigen wollte.

Lebensmittelkontrolleure haben bayerische Bäcker, Metzgereien und Getränkeproduzenten genauer unter die Lupe genommen, die in den Jahren zuvor bereits mit schlimmen Mängeln aufgefallen waren. Das Ergebnis: In drei Betrieben waren die Zustände so verheerend, dass sie zwischenzeitlich die ganze oder einen Teil der Produktion ruhen lassen mussten. Aus Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ und des Bayerischen Rundfunks geht hervor, dass in einer bayerischen Backstube bei der Kontrolle im Juni 2016 „lebende Käfer“ bei den Maschinen der Teigzubereitung gefunden wurden, außerdem „Spinnweben, Käferspuren im Mehlstaub und Mäusekot“.

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Besonders prägnant: Die Berichte der Lebensmittelexperten gelangten bislang nicht an die Öffentlichkeit, sie wurden in die Archive des Landesamtes verbannt. Angestoßen hatte die Veröffentlichung die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch, die über das Informationsfreiheitsgesetz die betreffenden Unterlagen angefordert hatte.

Insgesamt wurden 30 Betriebe in den Jahren 2016 und 2017 geprüft, in jedem zweiten davon stellten die Prüfer des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge „mittelgradige bis gravierende Mängel“ fest. So auch bei einem Schlachtbetrieb, in dem „Altverschmutzungen in Form von bräunlichen, teils schwärzlichen Belägen“ auf den Schneidebrettern gefunden wurde – oder in einer Obstkelterei, deren Wände „schimmelartig“ verschmutzt waren.

Warum werden die Verbraucher über solche Zustände nicht aufgeklärt?

Nach dem Müllerbrot-Skandal im Jahr 2012 – in den bayerischen Großbetrieben wurden Kakerlaken, Käfer und Schimmel gefunden – wurde auf Landesebene ein Gesetz beschlossen, das besagt, die Verbraucher müssten über Hygienemängel in deutschen Unternehmen aufgeklärt werden. Doch schnell klagten betroffene Betriebe und bekamen in mehreren Fällen vor den Verfassungsgerichten recht. Seither streiten sich die Länder mit dem Bund. Während die Länder für eine eindeutige Rechtslage plädieren, beruft sich der Bund wiederum auf das bestehende Gesetz.

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Johannes Heeg von Foodwatch fasst die Miesere in der „Süddeutschen Zeitung“ so zusammen: „Es fehlt der Anreiz für Betriebe, etwas zu tun. Alle diese Betriebe sind wiederholt bei Kontrollen mit Mängeln aufgefallen. Das zeigt, dass der Druck, etwas zu ändern, offenbar nicht groß genug ist.“

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