Matthias Sammer fällt vernichtendes Urteil: Hamburger SV sollte "ohne Ball spielen"

Der Ex-Sportvorstand des FC Bayern legt den Fokus auf die Sportdirektoren. Für Sammer herrscht vor allem hier ein Mangel an Qualität.

Als Markus Gisdol bei seiner Spielanalyse dem destruktiven Auftritt noch etwas Positives abgewinnen wollte, hatte Matthias Sammer sein vernichtendes Urteil über den Hamburger SV schon gefällt. "Die Hamburger sollen doch den Antrag stellen, dass sie ohne Ball spielen", sagte der frühere Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach dem 0:0 des HSV im Kellerduell beim SC Freiburg im Eurosport-Studio: "Das ist für mich für die Bundesliga zu wenig."

Die harsche Kritik Sammers dürfte ein Nachspiel haben. Gisdol, der mit dem sechsten Unentschieden im sechsten Duell mit seinem Trainerkollegen Christian Streich zufrieden war, wird die Schelte wohl kaum auf sich sitzen lassen. Direkt nach dem Spiel wusste der Coach offenbar noch nichts davon und zeigte sich gut gelaunt.

"Haben alles reingeworfen"

"Ich bin happy. Fußballerisch waren zwar Defizite da - aber für uns ist es vor allem wichtig, nach fünf Auswärts-Niederlagen einen Punkt mit nach Hause zu nehmen. Das tut uns gut", sagte Gisdol im Anschluss an das schmeichelhafte Remis: "Wir haben sicher nicht unser bestes Spiel gemacht, aber kämpferisch haben wir alles reingeworfen. Wir müssen das Positive herausarbeiten - wir haben zu null gespielt."

In der Tat war es der starken Defensive um Abwehrchef Kyriakos Papadopoulos zu verdanken, dass die Hamburger ihre chronische Auswärtsschwäche überwinden und den Absturz auf den Relegationsplatz verhindern konnten. Durch den ersten Punktgewinn in der Fremde seit über drei Monaten haben die Hanseaten (14 Zähler) den Drittletzten aus dem Breisgau (12) auf Distanz gehalten.

Wie für Gisdol war auch für die Profis dieser Fakt entscheidend. Die destruktive Vorstellung der Gäste vor 24.000 Zuschauern im ausverkauften Schwarzwaldstadion war ein Stück weit sogar gewollt. "Wir wollten einfachen und effektiven Fußball spielen", erklärte Torwart Christian Mathenia.

Arp-Zukunft ungewiss

Diese Spielweise führte allerdings dazu, dass Jungstar Jann-Fiete Arp im Sturm weitgehend in der Luft hing. Der 17-Jährige durfte nur mit einer Ausnahmegenehmigung auflaufen - normalerweise dürfen Jugendliche nach 20.00 Uhr nicht mehr beschäftigt werden. Ob der U17-Nationalspieler, der am 6. Januar volljährig wird, auch künftig beim HSV beschäftigt sein wird, scheint nach wie vor offen zu sein.

"Er, sein Berater und seine Eltern werden eine verantwortliche Entscheidung treffen", sagte Vorstandsboss Heribert Bruchhagen: "Wir werden alles dafür tun, ihn an den Verein zu binden. Es ist doch selbstverständlich, dass man will, dass er in Hamburg bleibt - aber ganz ohne Druck."

Druck lastet dagegen auf den Freiburgern. Vor allem die Abschlussschwäche könnte im Kampf um den Klassenerhalt zur Hypothek werden. Das weiß auch Streich. "Wir haben das schon ein paar Mal so gehabt. Wir schaffen es nicht, das Tor zu machen", sagte der frustrierte Trainer: "Die Spielanlage ist gut. Die Struktur ist gut. Die Wille ist da. Aber im Strafraum gelingt es uns nicht, die Qualität zu erzeugen, die wir brauchen. Das ist die Problematik - und darum stehen wir da, wo wir stehen."