Matthäus: "Das Einzige, was ich Heynckes ankreide"

Lothar Matthäus hat mit seiner Trainerkarriere abgeschlossen

Große Lust auf einen Job bei 1860 München, eine kuriose Transfer-Anekdote über Jupp Heynckes: Lothar Matthäus hat in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit spannende Details aus der Vergangenheit enthüllt.

Im Rückblick auf seine aktive Karriere bezeichnet der heutige Fernseh-Experte seinen früheren Trainer Jupp Heynckes als seinen "großen Förderer".

Heynckes setzte alles daran, Matthäus zu halten

Die Wertschätzung beruhte auf Gegenseitigkeit - und ging von Heynckes' Seite aus so weit, dass der scheidende Bayern-Coach ihn einst mit privatem Geld beim früheren Klub halten wollte.


Matthäus berichtete, wie Heynckes 1984 alles daran setzte, dass er Borussia Mönchengladbach treu blieb: "Er hat wohl zu Manager Helmut Grashoff gesagt, gib ihm die Summe X mehr, und ziehe sie bei mir vom Gehalt ab."

Auf lange Sicht war die Mühe vergeblich. Matthäus wechselte damals nach fünf Jahren von der Borussia zu Bayern München - wo Heynckes 1987 wieder sein Trainer wurde.

Eine Sache nimmt Matthäus seinem Förderer im Nachhinein aber noch immer übel - dass Heynckes ihn 1984 im Pokalendspiel gegen Bayern zwang im Elfmeterschießen anzutreten.

Wie Heynckes Matthäus in sein Unglück rennen ließ

"Das ist das Einzige, was ich Jupp Heynckes ankreide", sagte Matthäus. "Wenn einer nicht mit Überzeugung einen Elfmeter schießen will, kannst du ihn als Trainer nicht zwingen."

Matthäus bestritt seinerzeit das letzte Spiel für Gladbach, sein Wechsel nach München stand bereits fest.

Er weigerte sich, im Shootout anzutreten. Doch sein damaliger Trainer bestand darauf. "Doch, du schießt", befahl Heynckes damals. 

Worte, die Matthäus lange verfolgen sollten. "Ich hatte fünf Jahre lang für den Verein gespielt, den ich von Kindesbeinen an liebte. Dann kommt mein letztes Spiel, und ich verfehle beim Elfmeterschießen das Tor. Das hat wehgetan", sagte er der Zeit. "Ich war wahrscheinlich dem Druck nicht gewachsen."

In dem Interview verriet Matthäus eine weitere Anekdote aus seiner Vergangenheit. Er wäre seinerseits gerne als Trainer zu 1860 München gegangen.

"Mit dem Fahrrad zu 1860 München"

"Vor zehn Jahren wäre ich mit dem Fahrrad zu 1860 München an die Grünwalder Straße gefahren, um da arbeiten zu dürfen. Da hätte ich damals Potenzial gesehen, das wäre eine Aufgabe gewesen", sagte Matthäus.

Auch den HSV hätte er gern übernommen: "Ein Verein mit Tradition, das hätte ich gemacht. Jetzt nicht mehr. Ich brauche es nicht."

Matthäus hatte vergeblich auf lukrative Angebote aus der Bundesliga gewartet. Der 57-Jährige war als Coach in Österreich, Serbien, Brasilien, Ungarn und Bulgarien tätig gewesen.