Materialschlacht - Vettel plant Konter gegen Hamilton

Sebastian Vettel möchte Lewis Hamilton in Barcelona unbedingt kontern

Sebastian Vettel war früh dran. Schon um 10.54 Uhr schlenderte der Ferrari-Star entspannt durch das Fahrerlager in Barcelona, ging die 4,655 Kilometer lange Strecke ab und zog sich dann ins monströse Ferrari-Motorhome mit seinen Ingenieuren zurück. Vor dem Rennen der Wahrheit wollte der Heppenheimer ganz genau wissen, welche neuen Teile an seinen SF71H geschraubt werden.

"Das Auto ist gut, und wir müssen sicherstellen, dass es gut bleibt", sagte Vettel (30) über die Materialschlacht in der Formel 1, die traditionell beim Großen Preis von Spanien (Sonntag, ab 15.10 Uhr im LIVETICKER) neu beginnt.

Welche Updates die Scuderia genau für seine "Loria" geplant hat, ist natürlich ein großes Geheimnis, aber Vettel ist nach den zwei Rückschlägen zuletzt in China und Aserbaidschan heiß auf den Konter im Kampf um die WM mit Mercedes-Mann Lewis Hamilton. (Fahrerwertung der Formel 1)

Vettel hat das schnellste Auto

"Wir sind weiter auf der Jagd. Das Wichtigste ist, dass wir ein gutes Auto haben, mit dem man im Qualifying arbeiten kann", sagte Vettel, der um seinen 50. Grand-Prix-Sieg fährt: "Wenn wir vorne stehen, können wir auch gewinnen, weil unsere Rennpace gut ist." Allerdings mache sein Wagen "noch nicht immer das, was ich will".


In seinem vierten Jahr bei Ferrari hat Vettel trotzdem endlich das schnellste Auto des Feldes, eigentlich müsste der Vierfach-Champion vor dem Europa-Auftakt die WM-Führung nach seinen zwei Siegen in den ersten beiden Saisonrennen bequem anführen - doch tatsächlich liegt er wegen ein paar unglücklicher Umstände vier Zähler hinter Hamilton.

Und trotzdem ist Vettel bei vielen Experten der Favorit auf den Titel. "Wenn ich der Wett-Typ wäre, würde ich auf Sebastian setzen", sagte etwa Ex-Weltmeister Damon Hill.

Mercedes will zu Ferrari aufschließen

Doch mit dem fünften Rennen startet die Saison gewissermaßen von neuem, Ferrari, Mercedes und Co. werden Ausbaustufen ihrer Autos an den Start bringen. "Das ist der erste Schritt des Entwicklungsrennens, das womöglich bis zum Ende der Saison anhalten wird", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Können die Silberpfeile die Speed-Lücke zu Vettel schließen? "Es wird interessant, zu sehen, wie viel Performance die Teams mit ihren Upgrades finden und welchen Einfluss sie auf das Kräfteverhältnis haben werden", sagte Wolff im Wissen, dass der Sternerennstall diese Disziplin in der Vergangenheit meisterhaft beherrschte.


Barcelona gilt als "Piste der Wahrheit"

Doch von aufkommendem Bammel ist bei den Roten diesmal keine Spur. Die Kräfteverhältnisse seien mit den vergangenen Jahren nicht vergleichbar. "Da waren wir vor allem im Qualifying über weite Strecken nicht konkurrenzfähig genug", sagte Vettel, der endlich seine Sehnsucht nach dem ersten Titel mit Ferrari stillen will. Mittlerweile könne er auch mal etwas "erzwingen".

Vettel weiß, dass dieses Wochenende der Gradmesser schlechthin für seinen Titel-Traum ist. Der Circuit de Barcelona-Catalunya gilt als Piste der Wahrheit, in der Königsklasse sagen sie: Wer in Spanien schnell ist, ist auch im Rest der Welt schnell. Trotz des neu verlegten Asphalts.

"Barcelona ist ein sehr guter Gradmesser, um zu zeigen, wo wir wirklich stehen", sagte Vettel und hofft, dass die neuen Teile an seinem Ferrari auch funktionieren.