Gewalt bei Hamburger G20-Gipfel eskaliert erneut

Immer wieder aufflammende Krawalle, zahlreiche verletzte Polizisten und Festnahmen: Die Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg sind am Freitag erneut eskaliert

Krawalle, Verletzte und Festnahmen: Die Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg sind am Freitag erneut eskaliert. Während Polizei und Demonstranten sich gegenseitig für die Zuspitzung verantwortlich machten, forderten Politiker harte Strafen für Gewalttäter. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierte die gewalttätigen Proteste als "nicht zu akzeptieren".

In einer Zwischenbilanz am Freitagabend sprach die Polizei von 196 verletzten Einsatzkräften. Ein Beamter habe einen Unterschenkelbruch erlitten. Die Feuerwehr teilte auf Anfrage mit, sie habe "keinen Überblick" über die Zahl der verletzten Demonstranten. Viele Notfälle würden nicht gemeldet. Die Polizei bezifferte die Zahl der Festnahmen auf 83. Zudem habe es 19 Ingewahrsamnahmen gegeben.

Im Schanzenviertel und in St. Pauli brannten am Freitagabend Barrikaden, wie AFP-Reporter berichteten. Die Polizei sprach von 1500 gewaltbereiten Aktivisten in St. Pauli, die unter anderem mit Steinen gegen die Einsatzkräfte vorgingen. Den Tag über hatten die Beamten darauf immer wieder mit Wasserwerfern und Tränengas reagiert und Straßen geräumt. Nach Angaben von AFP-Reportern kam es auch zu Plünderungen.

Um die Abläufe des Gipfels zu stören, blockierten Demonstrantengruppen an mehreren Stellen in der Innenstadt die Fahrtstrecken der Delegationen. Diese Blockaden verliefen weitgehend friedlich.

Dagegen zündeten militante Täter laut Polizei auch Autos an, schlugen Fensterscheiben ein und errichteten Straßenbarrikaden. Sie nutzten demnach dabei mitunter Eisenstangen und warfen Molotowcocktails, es gab Verletzte durch den Beschuss mit Stahlkugeln aus Zwillen. Im Schanzenviertel gab ein Beamter nach Polizeiangaben am Abend einen Warnschuss ab, nachdem er von Gewalttätern massiv bedrängt worden war.

Auch in der Nähe der Elbphilharmonie kam es erneut zu Ausschreitungen. Die Polizei berichtete, sie sei massiv mit Gegenständen beworfen worden und habe Wasserwerfer eingesetzt. In der Elbphilharmonie versammelten sich am Abend die Teilnehmer des G20-Gipfels zu einem Konzert.

Wegen der anhaltenden Auseinandersetzungen forderte die Hamburger Polizeiführung am Freitag weitere Hundertschaften aus anderen Bundesländern zur Unterstützung nach. Es seien "zusätzliche Alarmierungsstufen" ausgelöst worden, sagte Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD). Nach Angaben von Polizeipräsident Ralf Martin Meyer sollte die Zahl der eingesetzten Polizisten am Ende wohl bei bis zu 21.000 liegen.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) machte die Politik für die Eskalation verantwortlich. Der BDK-Vorsitzende sagte dem "Spiegel", Hamburg hätte niemals Austragungsort des G20-Gipfels sein dürfen: "Die Politik trägt die alleinige Verantwortung für die zahlreichen verletzten Polizeibeamten und die Zerstörung der Stadt."

Im Stadtteil Bahrenfeld verletzten sich elf G20-Gegner schwer. Sie waren laut Feuerwehr in Folge eines Polizeieinsatzes über eine Mauer mit Absperrgitter geklettert und vier Meter tief abgestürzt, als das Gitter brach. Drei weitere Demonstranten wurden leicht verletzt. Die Beamten erklärten, die Hintergründe des Vorfalls würden untersucht.

Die G20-Gegner zeigten sich zufrieden mit ihren Blockadeaktionen auf den Straßen der Innenstadt. Durch die Verzögerungen bei der Anreise von einigen Delegationen sei "erfolgreich Sand ins Getriebe des Gipfels gestreut" worden, erklärte die Sprecherin der Organisation Block G20, Jana Schneider.

Die Initiative warf der Polizei vor, bei Räumungen "enthemmte Gewalt" mit Pfefferspray und Wasserwerfern angewandt zu haben. Wegen der unübersichtliche Lage konnte die Frau von US-Präsident Donald Trump, Melania Trump, einen Teil ihres Besuchsprogramms nicht absolvieren.

Merkel sagte, sie habe Verständnis für friedlichen Protest, aber gewalttätige Demonstrationen brächten "Menschenleben in Gefahr" und seien "nicht zu akzeptieren". Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) forderte konsequente Strafen. "Diejenigen, die Straftaten begehen unter dem Deckmantel des Demonstrationsrechts, die gehören nicht auf die Straße, sondern die gehören vor ein Gericht."