Maskenmann Hassan: Nach wenigen Minuten kaum mehr Luft bekommen

Christian Scharbert

Benjamin Hassan hat nicht nur am ersten Tennis-Turnier seit den Corona-Maßnahmen teilgenommen, sondern dort auch mit einer kuriosen Aktion für Aufsehen gesorgt: Der 25-Jährige kam nicht nur gemäß der Turnier-Vorschriften maskiert auf den Platz, sondern ließ am Samstag den Mund-und Nasenschutz sogar beim Aufwärmen an.


Im Gespräch mit SPORT1 erklärt die derzeitige Nummer 354 der Welt, wie er zum "Maskenmann" wurde.

Außerdem verrät der libanesische Davis-Cup-Spieler, was er vom Konzept des weltweit beäugten Exhibition-Turniers in Grenzhausen-Höhr (Rheinland Pfalz) hält und wie es ihm dort sportlich ergeht. 

SPORT1: Wie fühlen sich Tennisprofis körperlich, ein Turnier nach mehreren Wochen Pause anzugehen? 

Benjamin Hassan: Ich merke schon, dass man die körperliche Belastung nicht mehr gewohnt ist. Das geht allen Teilnehmern so, wir haben alle Blasen an Händen und Füßen und müssen uns an die Belastung erst einmal wieder gewöhnen. Bei mir kommt noch dazu, dass ich fünf Monate aufgrund einer Verletzung raus war und ich mich vor der Corona-Pause gerade wieder herangearbeitet hatte. Ich habe danach ein Turnier gespielt und dann kam das Virus dazwischen. Für mich ist es noch schwieriger, wieder reinzukommen. Aber ich gehe das Schritt für Schritt an.

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SPORT1: Wie stehen Sie generell zur Maskenpflicht?

Hassan: Ich finde es sehr vernünftig, dass man eine Maske trägt, wenn man auf den Court kommt. Auch im Alltag finde ich es gut, sie aufzusetzen – man weiß ja vielleicht gar nicht, ob man infiziert ist, von daher kann man mit der Maske andere davor schützen, sich anzustecken. Für Asthmatiker zum Beispiel kann das auch gefährlich sein, das sind dann die Schattenseiten.

SPORT1: Wie fühlen Sie sich mit der Maske? Sie haben sich ja damit eingespielt...

Hassan: Das ist aber nicht aus Angst geschehen. Mein Trainingspartner und ich hatten ein lockeres Spiel, da war das eher als Scherz gemeint. Ich war aber auch neugierig, wie es ist mit einer Maske Sport zu treiben. Nach wenigen Minuten habe ich kaum mehr Luft bekommen. Mit Maske Leistungssport zu betreiben, ist kaum möglich.


SPORT1: Wie sehen Sie das Turnier in Grenzhausen?

Hassan: Das Hygiene-Konzept in Grenzhausen ist sehr gut. Von daher finde ich es gut, dass wieder Tennis gespielt wird. Ich hoffe, auch andere Veranstalter gucken genau hin und lernen etwas daraus, wie man trotz Sicherheitsvorkehrungen den Sport wieder aufnehmen kann. Auch wir Spieler bekommen natürlich die Aufmerksamkeit mit, die so ein Turnier plötzlich von Medien aus der ganzen Welt bekommt. Auch in den sozialen Medien ist die Veranstaltung momentan viel beachtet. Aber letzten Endes bin ich Tennis-Profi und versuche, mich hier auf den Sport zu fokussieren. Mit Internationalen Turnieren rechne ich jedoch in naher Zukunft nicht. Momentan sind Reisen ja nicht möglich.


SPORT1: Beim Tennis herrscht Abstand zwischen den Spielern. Können Sie sich eine Maskenpflicht in Kontaktsportarten wie Fußball vorstellen?

Hassan: Im Tennis haben wir das Glück, dass wir Spieler sowieso auf dem Platz genug Abstand voneinander haben. Der Schiedsrichter sitzt auf einen erhöhten Stuhl, er selbst trägt gar keine Maske. Im Fußball beispielsweise ist das ganz anders und schwieriger, das ist nicht wirklich vergleichbar.

SPORT1: Viele Spieler geraten finanziell durch die Krise in Not. Wie geht es Ihnen und was halten Sie von dem durch Novak Djokovic initiierten Solidaritäts-Fonds?

Hassan: Ich glaube, viele Profis werden durch die Krise den Sport bald nicht mehr ausüben können. Reisen und Antrittsgelder müssen wir aus eigener Tasche bezahlen, das muss sich über Turniere wieder refinanzieren, die es aber momentan nicht gibt. Ich selbst werde weiterspielen, ich habe zum Glück Ersparnisse, die mich vorerst absichern. Der Fonds ist keine schlechte Idee, auch um über die großen finanziellen Ungleichheiten im Tennis überhaupt einmal zu diskutieren. Eigentlich kann es nicht sein, dass jemand der knapp an den Top 100 dran ist, kaum von seinem Sport leben kann. Aber Solidaritätszahlungen auf Zwang befürworte ich nicht.