Marvell Technology: Top-Analyst sieht 80 Prozent Kurspotenzial

Benedikt Kaufmann
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Marvell Technology rückt nach einer UBS-Studie wieder in den Fokus. Der Top-Analyst Timothy Arcuri sieht sagenhafte 80 Prozent Kurspotential. Tatsächlich ist der Chiphersteller an vielen Tech-Trends beteiligt und könnte dank einer strategisch klugen Übernahme zu neuem Wachstum finden.

Zukunftstechnologien wie das selbstfahrende Auto oder Datenbanken und Software aus der Cloud sind ohne Mikrochips nicht möglich. Höchste Zeit, einen erneuten Blick auf die Entwicklung des Chipherstellers Marvell Technology zu werfen, der an allen diesen Trends beteiligt ist.

Top-Wachstum dank Automotive-Trend

Das Konnektivitätssegment um Wi-Fi und Bluetooth liefert knapp 15 Prozent des Umsatzes und wuchs im vergangenen vierten Quartal um 31 Prozent – befeuert insbesondere durch das Umsatzwachstum im Bereich sprachgesteuerter Multimedialösungen für Automotive. Doch Marvell denkt bereits einen Schritt weiter und veröffentlichte einen Chip, der mittels Wi-Fi und Bluetooth sowohl mit anderen Fahrzeugen als auch mit der Infrastruktur in Verbindung treten kann. Diese Kommunikation ist beispielsweise wichtig, um Daten wie Geschwindigkeit und Standort abzugleichen und damit die Sicherheit im Verkehr zu erhöhen.

Der unstillbare Hunger der Server-Zentren

Neben dem Trend um das selbstfahrende Auto ist Marvell in einer weiteren Boom-Branche aktiv: Datenzentren. Immer mehr Unternehmen lagern Rechenpower und Speicherplatz in die Cloud aus und Verbraucher nutzen Streaming-Dienste oder kaufen Software als Digitalversion zum Download. Die Nachfrage nach mehr Speicherplatz und höheren Bandbreiten wächst rasant – bis 2020 könnte sich der Cloud-Traffic verdreifachen. Tech-Giganten wie Amazon, Facebook, Google und Microsoft investieren entsprechend in den Ausbau neuer Datenzentren.

Hier kann Marvell sowohl mit dem Netzwerk- als auch dem Speichersegment ansetzen und für einen schnelleren Datentransfer zwischen den einzelnen Servern sorgen. In der Speichersparte ist der Konzern mit den HDD- und SSD-Controllern unangefochtener Marktführer. Das Speichergeschäft lieferte 53 Prozent des Umsatzes und wuchs im vergangenen Quartal um 4 Prozent. Im Netzwerksegment – das knapp 15 Prozent des Umsatzes liefert – hat sich Marvell durch die Übernahme des Netzwerkspezialisten Cavium für die Zukunft top aufgestellt.

Gefangen in der Seitwärtsrange

Trotz der Ausrichtung auf zahlreiche Zukunftstrends kommt Marvell nicht vom Fleck. Seit November bewegt sich die Aktie in der Seitwärtsrange zwischen 20 und 24 Dollar. Der Kauf von Cavium für rund 6 Milliarden Dollar könnte der Aktie jedoch helfen, aus der Range auszubrechen. Denn Marvell wird durch die Übernahme neben Broadcom einer der Top-Player im schnellwachsenden Netzwerk-Segment für 25 bis 100 Gigabit pro Sekunde. Gleichzeitig passt sich der Kauf gut in das Konnektivitätsgeschäft ein und dürfte durch Synergieeffekte die ohnehin starken Margen noch weiter verbessern.

Das 18-er KGV von 15 wirkt im Peergroup-Vergleich günstig – insbesondere wenn sich das frisch erworbene Wachstumsgeschäft positiv in der Bilanz niederschlagen sollte. DER AKTIONÄR empfiehlt: Dabeibleiben.