Martin Schulz greift an

Keine 100 Tage mehr bis zur Bundestagswahl. Der jüngste Auftritt des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz macht klar: Der Wahlkampf hat begonnen. Die Attacken gegen Kanzlerin Merkel werden offener und schärfer.


In den ersten Wochen seiner Kanzler-Kandidatur hat Martin Schulz den Namen Angela Merkel öffentlich nur sehr selten in den Mund genommen. Wenn er es denn einmal tat, dann lobte er die Kanzlerin sogar hier und da.

Kritik platzierte der SPD-Chef lieber indirekt, fast schon subtil. Sein Abarbeiten am "auf Sicht fahren" und "durchlavieren" war natürlich stets auf Merkel gemünzt, aber es sollte allenfalls ihren Politikstil in Zweifel ziehen. Nicht sie persönlich. Vor allem wollte Schulz durch zu harsche Attacken auf die beliebte Regierungschefin nicht allzu früh selbst an Sympathien verlieren.

Keine hundert Tage mehr sind es bis zur Bundestagswahl. Und so langsam ändert Schulz die Taktik. Er attackiert seine Gegnerin jetzt offener, direkter. Sein Ton wird schärfer. Die Konfrontation beginnt.



Beim Tag der deutschen Industrie am Dienstag war das unübersehbar. Merkel redete am Vormittag zuerst zu den in Berlin versammelten Spitzenvertretern der deutschen Wirtschaft. Schulz hatte seinen Auftritt erst nach der Mittagspause.

Der SPD-Chef konnte also reagieren und kontern. Das tat er dann auch von Beginn an.

Der Merkelsche Sinneswandel für eine Forschungsförderung per Steuern? Vier Jahre zu spät, rief Schulz. Mit ihm werde sie sofort kommen. Die Digitalisierung? Werde unter ihm auch endlich "Chefsache" im Kanzleramt.



"Stagnation ist Rückschritt", sagte Schulz. Eine Politik der ruhigen Hand, abwarten, nichts tun - all das wird es mit Schulz sicherlich nicht geben. Merkel bekräftige dagegen bei ihrem BDI-Auftritt noch einmal, dass sie die Rente für ausreichend reformiert erachtet. Ihr SPD-Kontrahent sieht das bekanntlich ganz anders. Die Fronten klären sich so langsam.

Wenn es wirklich einen Wettstreit der Ideen gäbe, sagte Schulz in seiner Rede, könne der Wahlkampf zu einer "Sternstunde der Demokratie" werden. Man muss weder sein Pathos noch seine Ideen teilen, um zu sagen: hoffentlich kommt es so.